Mit Liebe aus dem „Sunshine Staat” Florida

Drei Dinge gibt es fast überall auf der Welt: Kaffee, Fußball und das Kartenspiel UNO.

Für einige US-Amerikaner wurden diese Dinge während eines zehntägigen OM-Einsatzes unter Flüchtlingen in Hamburg-Wilhelmsburg, Deutschland, zu einer Brücke über Sprachbarrieren hinaus.

Vom 16.-27. Juli 2016 führte die Gruppe von fünf Studenten der Palm Beach Atlantic University in West Palm Beach, Florida und eine amerikanische OM-Langzeitmitarbeiterin aus dem Nahen Osten mit dem Team Nord von OM Deutschland mehrere Kinderprogramme in zwei Flüchtlingslagern durch. Außerdem halfen sie in einer anderen Unterkunft bei einer Nähgruppe für Frauen und unterstützten das OM-Team bei seinen wöchentlichen Einsätzen in einem Park.

Bei der Orientierungstour in Wilhelmsburg, Hamburg, zu Anfang des Einsatzes fragte Daniel*, einer der Teilnehmer, einen Hamburger Mann im Park, was sein Wunsch an Gott sei: „Ich möchte nur, dass die Sonne rauskommt“, antwortete der Mann bezogen auf das normalerweise trübe Wetter Norddeutschlands.

Zuerst ignorierte Daniel dieses Anliegen und dachte, dass der Mann einfach nur das Thema weg von geistlichen Dingen lenken wollte. Aber nach weiterem Nachdenken – und der Wettervorhersage – entschied sich das Team, für Sonne zu beten.

„Für viele von uns war der erste Eindruck dieses Gebietes ‚Dunkelheit‘“, meinte Teamleiterin Sharon* bei der Austauschrunde am Abend. Da sie um die geistlichen Auswirkungen wussten, betete die Gruppe aus Florida für gutes Wetter und dass die Sonne (und der Sohn) durchscheinen würde.

Während des ersten Einsatzes in einem der Wilhelmsburger Flüchtlingslagern, setzte sich Marie*, die im Nahen Osten lebt, neben eine syrische Frau und gemeinsam genossen sie den seltenen Sonnenschein. In der Nähe spielten die anderen mit Kindern Fußball und Wikingerschach, während andere Seilspringen machten. Unter den Kindern waren auch die Zwillingstöchter der Frau. Nach dem sie sich kennengelernt hatten, erzählte Marie der Mutter von der Bedeutung der Nachmittagssonne. „Heute hätte es regnen sollen, aber wir haben für Sonnenschein gebetet, weil wir hierhergekommen sind, um mit den Kindern zu spielen. Gott hat unsere Gebete beantwortet!“

Ein paar Minuten später erzählte die Frau einer anderen vorbeigehenden Frau genau dasselbe. Es war in der Tat so, dass das Team jeden Tag, wenn sie die Programme im Freien machten, Sonnenschein hatte. So konnten sie mit den Kindern spielen und, so gut es ging, auch mit deren Familien in Kontakt kommen.

 „Das, was wir tun sollen, ist sie zu lieben“, meinte Daniel. „Etwas anderes können wir nicht machen. Wir können uns nicht mit ihnen unterhalten. Sie haben Essen, sie haben ein Dach über den Kopf. Das einzige, woran es ihnen meiner Meinung nach mangelt, ist Liebe.“

Im Flüchtlingslager gab es laut dem Teammitglied Katie „ein Gefühl von Zufriedenheit und Anpassungsfähigkeit und Gemeinschaft.“ Sie stimmt damit überein, dass es das Ziel des Teams war, Liebe zu bringen,  „durch die Bastelarbeiten, die Spiele und indem wir einfach dasaßen und mit ihnen Tee tranken. Das ist unsere Aufgabe hier.“

Für Daniel bauten sich viele Verbindungen ohne Worte auf dem Fußballfeld auf. An einem Nachmittag spielte er mit drei Flüchtlingen Fußball. „Ich konnte mich eigentlich mit keinem von ihnen unterhalten“, erinnerte er sich. Aber „in der Situation, in der ich nicht verbal mit ihnen kommunizieren konnte, ist Fußball überall gleich, man passt den Ball zum anderen und spielt einfach miteinander. Wenn ich etwas gemacht habe, hat der nächste was Cooleres gemacht.“

In der Zwischenzeit kamen die Mädchen des Teams regelmäßig durch das Kartenspiel UNO in Kontakt mit den jüngeren Kindern. Am ersten Tag lernten sie während eines Spiels von einem jungen Mädchen aus Syrien, die schon gut Deutsch sprach, wie die Farben und Zahlen auf Deutsch heißen. An einem Abend, nachdem sie zwei Stunden lang UNO in einem Lager voll mit Kindern aus Albanien, Syrien, Afghanistan, Irak und Mazedonien gespielt hatte, blickte das Teammitglied Chetia* auf ihre neuste Errungenschaft zurück: „Ich habe heute gelernt, in fünf Sprachen auf zehn zu zählen!“

Vor ihrer Ankunft in Deutschland hatte das Team an der Transform-Konferenz vom OM in Barcelona teilgenommen. Dort lernten sie mehr über die Arbeit mit Flüchtlingen und kamen mit Ali* in Kontakt. Ali ist ein Christ mit muslimischen Hintergrund und er erzählte seine Geschichte, wie er von Syrien über Russland geflohen ist und schlussendlich seinen Wohnsitz in Europa gefunden hat.

Sowohl die Konferenz als auch die im Einsatz entstandenen Beziehungen zu den Flüchtlingen veränderten die Sichtweise der jungen Menschen zur Flüchtlingskrise erheblich. Seit Sommer 2015 hatten sie das gehört, „was auch immer die Medien berichten, was drüben passiert“, erklärte Daniel. Ein Flug über den Atlantik, das Zusammensitzen sowie Tee- und Kaffeetrinken mit den Flüchtlingen ermöglichte dem Team, individuelle Erlebnisse zu hören und so eine neue Perspektive der Situation zu gewinnen.

„Man kann sich nicht wirklich drei oder sechs Millionen Menschen vorstellen, aber wenn du ein Gesicht siehst, und dann ein anderes, dann werden sie Wirklichkeit. Wenn du die Geschichten hörst, wie sie am Straßenrand leben oder all ihre Kleidung am Leib tragen, dann werden sie real", erzählte Shannon, eine weitere Teilnehmerin.

 „Es fühlt sich gut an, hier zu sein“, sagte sie. „Es fühlt sich gut an, dass ich Teil davon sein kann, wenn wir ihre Gedanken auf etwas anderes lenken – und auch wenn es nur fünf Minuten sind. Mit den Kindern zu spielen, Kaffee zu trinken, ihre Geschichte zu hören. Das werde ich nie vergessen.”

Innerhalb von Europa gibt es in über zehn Ländern Projekte in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden, die Flüchtlingsarbeit unterstützen und fördern. In Ländern wie Ungarn und Österreich arbeiten OM-Teams bereits seit fünf Jahren unter Flüchtlingen, während andere Länder auf die Flüchtlingsströme nach Europa des vergangenen Jahres reagiert haben. Bestehende Arbeiten wurden ausgeweitet, neue wurden geschaffen. Die Initiative „Safe Haven“ (sicherer Hafen) erstreckt sich über verschiedene Länder Europas. Die Mitarbeiter engagieren sich für Flüchtlinge, die sich in einem der Länder niedergelassen haben. Die OM-Mitarbeiter wünschen sich, dass diese einmalige Möglichkeit genutzt wird, um Gemeinschaften von Menschen zu erreichen, die noch nie vom Evangelium gehört haben. Kirchengemeinden und Flüchtlinge werden miteinander in Kontakt gebraucht und Flüchtlingen hören von der Liebe Jesus, während sie sich an die neue Umgebung gewöhnen. Für Informationen, wie Sie sich engagieren können, kontaktieren Sie bitte Ihr OM-Büro vor Ort. Lernen Sie mehr über aktuelle Projekte und entdecken Sie, wie Sie ähnliche Projekte in ihrer Kirchengemeinde oder in ihrer Umgebung beginnen können.

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert

Nicole James ist eine freiberufliche Journalistin, ESL-Lehrerin und Abenteuerin. Als Schreiberin für OM im Nahen Osten und im östlichen Nordafrika ist es ihr Herzenanliegen, die Geschichten zu veröffentlichen, die das Wirken Gottes unter den Nationen beinhalten und den Menschen davon zu berichten, welch wunderbaren Dinge er in der Welt macht.

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