Flüchtlinge bei TeenStreet erreichen

Als der Bus vor dem Flüchtlingslager in Oldenburg, Deutschland, anhielt, hatten sich die 29 Teilnehmer von TeenStreet (TS), dem internationalen Teenagerkongress von OM, bereits in vier Gruppen aufgeteilt: Kinder-Gesichter-Schminken, Papierbasteln, Fußball und Jenga-Türme.

Als die ersten Kinder auf den Hof des Lagers schielten, nahmen sich die Zwillinge Annaluca (16) und Aliyah (16) und ihre Freundin Luisa (15) Straßenkreide und waren bereit, mit den neugiereigen Kinder zu malen. Die Teilnahme am Outreach (evangelistischer Einsatz) vom TS ist freiwillig, aber die Mädchen freuten sich darüber, dass sie ihre freie Zeit damit verbringen konnten, außerhalb des TS-Geländes Gutes zu tun.

„Wir leben im Süden Deutschlands und wir waren schon in der Nähe unserer Heimat in einem Flüchtlingslager”, erklärte Annaluca. Da sie schon mit den Kindern und Frauen in diesem Lager gespielt hatten, wollten die Mädchen nun auch diese Erfahrung bei TS wiederholen, dieses Mal aber mit internationalen Helfern.

Bald schon gingen die drei zu den Materialien für das Gesichter-Schminken über. In Kürze verwandelten sie eine handvoll Kinder in farbenfrohe Katzen, Hunde und Feen. Zehn weitere Kinder standen um die Künstlerinnen herum und warteten darauf, ebenfalls geschminkt zu werden.

Straßenkreide-Helden

Zurück bei der Straßenkreide saßen Robin (23) und Filip (15), beide aus Schweden, mit ihrem neusten Freund, einem zehnjährigen Jungen aus dem Lager, auf dem Gehweg. Zuerst waren seine Mal-Wünsche, vorgetragen im perfekten Englisch, einfach: einen Apfel, eine Banane, eine Orange. Dann forderte der Junge Robin heraus, Superman zu malen. Direkt daneben fing Filip an, Batman zu malen.

Während die Schweden Superhelden malten, verglichen sie ihre linguistischen Talente. Der Junge, der die Straßenkunst in Auftrag gab, sprach fünf Sprachen. Robin, doppelt so alt wie der Junge, zwei.

Als die Unterhaltung etwas ernster wurde, schüttelte Robin seinen Kopf, während er weiter den Anzug von Superman anmalte. „Wie kann er so glücklich sein?“, fragte Robin sich.

Auch wenn der Outreach Robins erster Kontakt mit Flüchtlingen in Deutschland war, so hat er schon im Dezember 2015 eine Woche mit OM in Serbien verbracht und auch in Schweden schon zeitweise mit Flüchtlingen gearbeitet. „Das hat mir wirklich die Augen geöffnet“, meinte er. „Du hörst Statistiken, aber wenn du die Gesichter und Namen kennst, dann bricht es dir das Herz.“

Filip, der Teil von Robins Kleingruppe war, ging mit zum Outreach, weil er Menschen außerhalb von TS kennenlernen wollte. „Im Christentum geht es nicht darum, dass wir uns untereinander treffen“, bekräftigte er. „Es geht auch darum, rauszugehen und etwas zu geben.“

Hoffnungen und Träume

Jacob (16), ebenfalls aus Schweden, setzte sich mit ein paar Teenagern aus dem Lager an die Seite und beobachtete das Fußballspiel, das ein paar Meter von ihnen entfernt stattfand. „Es ist schön, Menschen aus verschiedenen Ländern kennenzulernen“, bemerkte er und fügte an, dass er mit zum Flüchtlingslager gegangen ist, „damit sie auch Menschen von außerhalb dieses Ortes kennenlernen.“

Irgendwann einmal, erzählt Jacob, möchte er Ingenieur werden. Doch das Wichtigste in seinem Leben ist es, „glücklich zu sein und andere Menschen glücklich zu machen.“

Die drei jungen Männer aus dem Lager neben Jacob, waren 15, 14, bzw. 23 Jahre alt und auch sie erzählten von ihren eigenen Karriereträumen: Fußballspieler, Lehrer, Koch. Die wichtigsten Dinge in ihrem Leben deckten sich weitgehendst mit ihren zukünftigen Hoffnungen. Der erste schätzte seine Familie und Freunde hoch ein, der zweite die Schule und der dritte das Kochen.

Stefans Geschichte

Laut Stefan*, einem OM-Mitarbeiter, der fast drei Jahre lang mit OM in der sogenannten Region „Near East” (Irak, Jordanien, Libanon und Syrien) war, ähnelten sich die Jungs im Oldenburger Flüchtlingslager mit den Flüchtlingen und Männern des Nahen Ostens, die er dort und in seiner Heimat Schweden traf. „Sie lachen über die selben Witze“, meinte er.

Als Stefan zurück nach Schweden kam, traf er drei palästinensische Brüder, die gerade dabei waren, in ein anderes Flüchtlingslager umzuziehen. Da er auf seinem Einsatz Arabisch gelernt hatte, war Stefan sehr froh, weitere Arabisch-sprechende Personen zu treffen. „Ich hatte die Möglichkeit, mit ihnen zu sprechen, ihnen zuzuhören und so ihre Geschichten zu hören“, erinnert er sich.

Da er während seiner Schichten in dem Lager, in dem sie lebten, immer wieder mit ihnen sprach, fragte er sich, ob er sich nicht lieber auf Schwedisch mit ihnen unterhalten sollte. „Nein“, meinte ein anderer Helfer zu ihm. „Sprech so viel Arabisch, wie du kannst. Sie hören schon hier in der Umgebung genug Schwedisch und so sie fühlen sich sicherer [wenn sie in Arabisch kommunizieren können].“

Stefan ging aus persönlichen Interesse mit zum TS-Outreach. „Ich arbeite gerne mit Flüchtlingen zusammen, wie auch mit Menschen aus dieser Region in Schweden“, erklärte er. Stefan ist zum 13. Mal bei TeenStreet und der Outreach bietet seiner Meinung nach für die Teenager eine exzellente Möglichkeit, sich einzubringen.

„Bei TeenStreet sprechen wir viel davon, unseren Glauben zu leben und wie wir ein Licht in Alltagssituationen wie Schule, Arbeit und Gesellschaft sein können“, erklärte er. „So ein Outreach bei TeenStreet kann eine gute und praktische Sache sein, wenn die Teenager in der Stimmung sind, herauszugehen und ein Licht in ihrer Umgebung zu sein.“

„Was ich daran mag, Flüchtlinge zu erreichen, ist, dass es aktuell ist, es passiert im Jahr 2016“, erzählt er weiter. „Es öffnet ihre Augen und die Teenager werden mit Dingen auseinandergesetzt, denen sie sich nicht bewusst waren. Es ist gut, wenn man in einer Woche, in der man viel bekommt, auch etwas gibt.“

Umfallende Türme

Femja (17) von den Färöer Inseln ging mit zum Outreach, um Erfahrungen zu sammeln. Letztes Jahr gingen einige ihrer Freunde auf einen Kurzeinsatz ins Ausland. Femja wollte auch mitgehen, aber aus logistischen Gründen ging das nicht. Für einen Nachmittag in ein Flüchtlingslager zu gehen würde, so dachte sie, eine ähnliche Möglichkeit sein. „Ich möchte eine Missionarin sein“, erklärte sie.

Femja ist in diesem Jahr zum dritten Mal bei TS und sie hatte schon bei anderen Outreaches mitgemacht, darunter Blumen weitergeben und Jenga im Stadtzentrum spielen.

Im Flüchtlingslager verbrachte Femja, die jetzt „professionelle Jenga-Spielerin“ ist, die meiste Zeit der zwei Stunden damit, mit einigen der jüngsten Kinder Türme in Übergröße zu bauen (und umzuwerfen). „Ich habe einfach nur versucht, lustig zu sein und sie zum Lachen zu bringen“, erzählt sie. „Das war sehr begeisternd, weil diese Kinder so klein sind. Sie sind süß und sie haben mit dem allem hier nichts zu tun. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie hier gelandet sind.“

Femja bemerkte, dass einige der Kinder zögerten, mit ihr in Kontakt zu kommen. „Sie hatten Angst“, beschreibt sie. „Es ist nicht einfach.“ Nichtsdestotrotz hat sie während der Zeit im Lager eine wichtige Sache über Flüchtlinge gelehrt: „Es sind keine bösen Menschen. Sie sind sehr freundlich.“

Hannas Herz

Hanna (23), die den TS-Outreach im Flüchtlingslager mitorganisierte, „wurde in OM hinein geboren“ und verbrachte die meiste Zeit ihrer Kindheit in Nordafrika und im Nahen Osten. „Es ist mein Herzensanliegen zu sehen, wie Flüchtlinge erreicht werden und es lag mir wirklich auf dem Herzen, dass wir hierher gehen“, sagte sie.

Hanna ist nun schon im zweiten Jahr Teil des Outreach-Teams und sie erzählte, dass das Team in diesem Jahr die Einsatzmöglichkeiten in vier Thementage aufgeteilt hatte: Flüchtlinge, gegen Menschenhandel, praktische Arbeit und Gebet. „Aufgrund der aktuellen Situation in Deutschland mit den vielen Flüchtlingslagern, dachten wir, dass es logisch ist, auch etwas mit Flüchtlingen zu machen“, erklärte sie. „Momentan sind die Flüchtlinge ein großer Teil von Deutschland. Wenn wir ein Segen für die Stadt sein wollen, dann wollen wir das auch in diesem Bereich sein.“

Während der TS-Flüchtlings-Outreaches, die für Sonntag- und Montagnachmittag während der freien Zeit der Teenager geplant war, hoffte Hanna, dass die Flüchtlinge Spaß haben und „sich durch die Teenager von Jesus geliebt fühlen.“ Hanna wollte aber auch, dass die Teenager etwas von diesen Nachmittagen mitnehmen.

 „Ich hoffe und bete, dass die Teenager ermutigt werden, etwas ähnliches in ihrer Umgebung zu machen, sei es unter Flüchtlingen oder unter anderen Gruppen, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden“, sagte sie. „Manchmal denkt man, dass man über den Ozean muss, um mit Menschen aus anderen Kulturen und Religionen in Kontakt zu sein.“

Jetzt sind die Flüchtlinge aber hier in Europa angekommen. „Wir haben hier eine Freiheit, das Evangelium weiterzusagen, die wir niemals in der arabischen Welt hätten“, betonte Hanna. „Ich hoffe, dass die Teenager das realisieren.“

Innerhalb von Europa gibt es in über zehn Ländern Projekte in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden, die Flüchtlingsarbeit unterstützen und fördern. In Ländern wie Ungarn und Österreich arbeiten OM-Teams bereits seit fünf Jahren unter Flüchtlingen, während andere Länder auf die Flüchtlingsströme nach Europa des vergangenen Jahres reagiert haben. Bestehende Arbeiten wurden ausgeweitet, neue wurden geschaffen. Die Initiative „Safe Haven“ (sicherer Hafen) erstreckt sich über verschiedene Länder Europas. Die Mitarbeiter engagieren sich für Flüchtlinge, die sich in einem der Länder niedergelassen haben. Die OM-Mitarbeiter wünschen sich, dass diese einmalige Möglichkeit genutzt wird, um Gemeinschaften von Menschen zu erreichen, die noch nie vom Evangelium gehört haben. Kirchengemeinden und Flüchtlinge werden in Kontakt gebraucht und Flüchtlingen hören von der Liebe Jesus, während sie sich an die neue Umgebung gewöhnen. Für Informationen, wie Sie sich engagieren können, kontaktieren Sie bitte Ihr OM-Büro vor Ort. Lernen Sie mehr über aktuelle Projekte und entdecken Sie, wie Sie ähnliche Projekte in ihrer Kirchengemeinde in ihrer Umgebung beginnen können.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert