Eine neue Welle der Verfolgung in Algerien

„Es gibt keine Angst, kein Zurück und ein klares Bekenntnis, weiterzumachen – ganz egal, was es kostet!“, erklärt Youssef, Leiter von OM Algerien und gebürtiger Algerier, zwei Monate, nachdem die algerische Regierung das House of Hope (Haus der Hoffnung) geschlossen hat. Dort trifft sich eine wachsende Gemeinde und die Räume werden für unterschiedliche Aktivitäten und Dienste im Stadtviertel genutzt.

Der Gouverneur der Stadt erteilte am 9. November 2017 den Auftrag, alle Aktivitäten des House of Hopes zu stoppen. „Das geschah aufgrund von falschen Beschuldigungen und Informationen“, sagt Youssef. „Vier Polizeiautos kamen und versiegelten die Türe des House of Hope-Konferenzraums. Alle Aktivitäten, Gottesdienste und das Schulungsprogramm Timothy School im House of Hope wurden gestört und es wurde befohlen, alles vorerst zu stoppen.“

Auch mindestens sieben Gemeinden im ganzen Land sowie ein Buchladen, der einem OM-Leiter gehört, waren davon betroffen. Unter Berufung auf unzulässige Infrastruktur und Unvereinbarkeit der Kirchenlizenz von 2011 mit einem neueren Gesetz aus dem Jahr 2012, haben die Regierungsbehörden damit begonnen, Kirchengebäude systematisch zu durchsuchen. Außerdem wurden den jeweiligen Standorten jegliche Aktivitäten verboten. Andere Gemeinden erhielten von der Regierung auferlegte Einschränkungen, die die Anzahl der Tage begrenzen, an denen sie sich treffen dürfen. Einem Pastor wurde verboten, Besucher in seinem Haus zu empfangen.

„Alle Beschuldigungen sind falsch”, berichtet Youssef. Die angegebenen Infrastruktur-Angelegenheiten – Mangel an Feuerlöschern, Erste-Hilfe-Kästen usw. – sind laut Youssef einfach zu beheben. „Wenn es ihnen wirklich um das Wohlergehen in den Gemeinden ginge, dann könnten wir alle Probleme innerhalb von 48 Stunden schnell beheben.“ Nachdem jedoch einer Gemeinde am 18. Dezember 2017 eine Liste mit Bauverstößen vorgelegt wurde, kamen die Behörden bereits am nächsten Tag mit einem Beschluss wieder, das Gebäude zu schließen. „Sie haben etwas anderes im Sinn“, sagt Youssef. „Es scheint, als wollen sie die Gemeinden schwächen und unwirksam machen.“

20-jähriges Vermächtnis

Die Schließung von Gebäuden kann dennoch nicht die Anwesenheit von Christen in Algerien ausmerzen. Ein Pastor, dessen Gemeinde vor Kurzem geschlossen wurde, erzählt: „Die Gemeinde Jesu sind weder Wände noch Dächer, es ist sein Volk, sein lebendiger Körper.“

In der Tat ist die Gemeinde in Algerien „momentan mehr vereint als jemals zuvor”, meint Youssef. Er erzählt auch, dass Christen sich versöhnt haben und sich zum gemeinsamen Beten und Fasten treffen. Obwohl das House of Hope geschlossen wurde, geht die OM-Arbeit – die Timothy School, Einsätze mit Medien und Nacharbeit – „ganz normal weiter, wenn auch an anderen Orten“, wie Youssefs Frau Hie Tee bestätigt.

Dennoch bringt der Verlust der Nutzung der Einrichtungen gleichzeitig Traurigkeit über die Ungerechtigkeit, aber auch Dankbarkeit für alles mit sich, was Gott dadurch in den letzten 20 Jahren erreicht hat. „Ich glaube, dass wir Gott für all das danken müssen, was er in diesem Haus getan hat. Es ist unglaublich, was Gott getan hat“, betont Youssef. Über 360 Menschen machten das Training in der Timothy School, die etwa 25 Hausgemeinden im Land gründeten. In den vergangenen 26 Jahren nahmen über 8000 Christen mit muslimischen Hintergrund an Sommerfreizeiten der Gemeinden teil. „Hunderte wurden im House of Hope getauft und das ist nun geschlossen“, erklärt Youssef.

‚Kein Zurück’

„Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. Sie müssen ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird ihre Schande sein und nie vergessen werden.” (Jeremia 20,11)

„Der nächste Schritt für uns ist natürlich, Gott zu bitten zu uns zu sprechen … Wie werden wir in Angesicht dessen, was geschehen ist, weiterhin als Gemeinden arbeiten“, erklärt Youssef. „Wir müssen auf der ganzen Welt unter den Gemeinden und Christen Aufmerksamkeit erregen. Sie müssen wissen, was passiert, von der Verfolgung hören.“

Währenddessen planen Youssef und Hie Tee für die voraussehbare Zukunft erst mal in Algerien zu bleiben – unter dem Motto: „Kein Zurück“. Sie werden für einige strategische anwaltschaftliche Treffen ins Ausland reisen, aber ansonsten planen sie, die Christen im Land zu unterstützen. Ein OM-Partner, der Anfang 2018 nach Algerien reiste, sprach mit einigen Gemeindemitgliedern des geschlossenen House of Hopes. „Wenn Gott erlaubt hat, dass das passiert, dann hat er auch etwas damit vor. Vielleicht müssen noch mehr Polizisten und Richter die Gute Nachricht hören“, berichtet einer der Christen.

Nach der Schließung des House of Hopes besuchte Youssef einen einheimischen Polizeichef. „Eigentlich tat es ihnen allen leid, ‚das ging über unsere Befugnis hinaus‘“, erzählt Youssef. Tatsächlich konnte einer der Gemeindeleiter dem Polizeichef eine Bibel geben, als die Polizei das House of Hope schloss. „Das hat mich sehr überrascht, weil dieser Leiter gar nicht so evangelistisch ist“, bemerkt Youssef. Der Polizeichef freute sich auch über das Geschenk. „Ich bin froh, jetzt auch eine Bibel zu haben“, sagte er Youssef.

Während sie über die Schließung sprachen, konnte Youssef dem Polizeichef auch erklären, dass Gott lebt und die Gebete seiner Kinder erhört. „Es gibt viele Möglichkeiten, das Evangelium weiterzugeben“, sagte er. „Wir sprechen immer über unseren Glauben – das ist schon mal ein positives Resultat.“

Ein Präsidentschaftsbeschluss von 2006 (06-03) hat angeordnet, dass nicht-muslimische Anbetung in Algerien nur in Gebäuden stattfinden darf, die von der Nationalen Kommission für nicht-muslimische religiöse Gruppen zu diesem Zweck genehmigt wurden. Middle East Concern (MEC) berichtete im Januar 2018, dass „keine einzige Erlaubnis für die Nutzung eines Gebäudes für nicht-muslimische Anbetung erteilt wurde". 2011 hat die algerische Regierung die christlichen Gemeinden im Land offiziell anerkannt und ihnen unter der algerischen protestantischen Vereinigung (L'Église Protestante d'Algérie oder EPA) eine Lizenz erteilt. Im nächsten Jahr änderte sich das Gesetz, und die EPA musste nun Büros in zwölf Gouvernements haben. Der Verband erfüllte dies und übergab der Regierung im Jahr 2013 die Papiere. Allerdings wurde der Empfang nicht bestätigt. Stattdessen „erlaubte uns die Regierung, mit der Lizenz von 2011 fortzufahren. Und plötzlich änderten sie ihre Meinung“, fasst Youssef zusammen. „Ich glaube, dass sie es geplant haben und nur nach dem richtigen Zeitpunkt suchten, um uns zu treffen und zu verfolgen."

Danken Sie Gott, dass die Gemeinde in Algerien eins ist im Gebet und Fasten und dass sie gemeinsam seine Führung für die Prüfungen suchen, vor denen sie stehen. Bitte beten Sie, dass Gott den Christen Weisheit gibt und die Fähigkeit, ihn weiter zu verehren und Menschen in Algerien und darüber hinaus zu erreichen. Bitte beten Sie auch, dass die Schikanierungen der Regierung aufhören und dass die Gemeinden wieder öffnen können und ihre Arbeit zu seiner Ehre fortführen können.