„Weißt du, als Teenager hatte ich den geheimen Wunsch, Missionarin zu werden. Aber ich habe niemanden davon erzählt“, sagt Anna aus Deutschland, eine 27-jährige Heilpädagogin.

Diese junge Frau dient mittlerweile Gott in Albanien. Sie arbeitet bei einem Projekt von OM Albanien mit, dass sich um Menschen mit Behinderung kümmert. Anna kann sehen, wie Gott sie über den europäischen Kontinent nach Albanien gebracht hat, damit sie ihre beruflichen Fähigkeiten in einer Großstadt nutzen kann, um Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu helfen – einer der größten Randgruppen der albanischen Gesellschaft.

Gegen den Strom schwimmen

Wie anderswo auf dem Balkan führen mangelnde Offenheit und Vorurteile immer noch dazu, dass viele Menschen in Albanien eine Behinderung als eine Stigmatisierung und mit Scham oder sogar als göttliche Bestrafung betrachten. Seit einigen Jahren hat Gott in die Herzen der Mitarbeiter von OM Albanien eine Leidenschaft gelegt, die Wahrheit zu bezeugen – dass Menschen mit Behinderungen jeglicher Art in seinen Augen einzigartig und kostbar sind, sie als Individuen vollwertig sind und eine Beziehung mit ihm genießen können. Bisher werden die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung von Fachleuten im albanischen Gesundheitswesen und der Bildung noch nicht auf berücksichtigt. Deswegen können Lehrer und Therapeuten, die diese Wahrheiten verstehen und Therapien effektiv umsetzten, die Gesellschaft enorm beeinflussen.

Annas Weg nach Albanien

„Meine Reise hierher begann in Afrika“, erzählt Anna. Nach ihrem Schulabschluss 2011 verbrachte sie ein Jahr in Burundi, um Kindern einer Missionarsfamilie Deutsch zu unterrichten. Eines dieser Kinder hatte mehrere Behinderungen – die Arbeit mit ihr prägte Annas zukünftigen Karriereplan, Kinder mit Behinderung zu unterrichten, ihnen in ihrer Entwicklung zu helfen und dabei integrative Bildung zu nutzen. Als Anna in Deutschland studierte, legte ein Freund eine Pause in seinem Lehramtsstudium ein, um für zwei Jahre bei OM Albanien bei einem Projekt mit Roma-Kinder mitzuarbeiten. Er lud einen Teil seiner Studentengruppe zu einem Kurzeinsatz nach Albanien ein. So kam Anna zum ersten Mal nach Albanien. An Ostern vor ihrem Abschluss ging Anna ein weiteres Mal mit einer Gruppe nach Albanien. Dort hatten sie und eine andere junge Frau die Möglichkeit, in Durrës einen Teil der Arbeit unter Kindern mit Behinderung zu erleben.

„Der Leiter des Einsatzes forderte mich heraus, sofort nach Albanien zu kommen und dort mitzuarbeiten“, erinnert sich Anna. Aber sie zog es vor, erst in Deutschland etwas Berufserfahrung zu sammeln, und arbeitete nach ihrem Abschluss in einem Kindergarten für Kinder mit geistigen Behinderungen.

Nach eineinhalb Jahren endete ihr Arbeitsvertrag und Anna betete ernsthaft für ihre Zukunft – war Mission das, was Gott für sie wollte und könnte sie ihre beruflichen Fähigkeiten irgendwo einsetzen? Anna hatte die Herausforderung nicht vergessen, dir ihr gestellt wurde – nach Albanien zu gehen und dort zu arbeiten.

Außerdem ermutigte sie eine deutsche Freundin, die Anna gut kannte und auch mit in Albanien war, zu gehen. Sie erzählte ihr, dass sie zwei Jahre zuvor gedacht hatte, dass Anna gut dorthin passen würde – noch bevor Anna von dem Dienst unter Behinderten wusste. Nach diesem Gespräch kam alles zusammen und auch Annas Kirchengemeinde unterstützte sie. Im Januar 2018 kam Anna dann nach Albanien.

Große Erwartungen an die Arbeit

Annas Ankunft war eine große Ermutigung für das Team von OM Albanien. Der sehr erfahrene Sonderpädagoge, der vor rund sechs Jahren die OM-Arbeit für Menschen mit Behinderungen gestartet hatte – und Anna 2016 herausforderte, nach Albanien zu kommen – war im September 2017 wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Das Team hatte seitdem für eine Nachfolge mit den entsprechenden Fähigkeiten gebetet, damit der Dienst weitergehen könne. Nachdem sie ihr Sprachstudium abgeschlossen hatte, fing Anna an, zwei wichtige Aspekte zur Arbeit beizutragen.

Isolierte Familien mit behinderten Kindern

OM und eine Gemeinde vor Ort erreichen etwa zehn bis zwölf Familien, die ihre Kinder mit Behinderung zu Hause betreuen. Sie bieten ihnen eine Kombination der beliebten wöchentlichen Treffen namens Sweet Mess (Süßes Durcheinander – nach dem Vorbild der Messy Church*) und/oder häufigen Hausbesuchen unter der Woche an.

In Albanien erhalten gut 80 Prozent der Kinder mit Behinderung überhaupt keine Bildung – im ganzen Land gab es laut Unicef 2017 nur sechs Schulen mit 700 Plätzen für Kinder mit Behinderungen. Für die meisten Familien mit Kindern mit Behinderung ist die einzige Hilfe vom Staat ein bescheidenes monatliches Taschengeld aus sozialen Diensten – keine Ergo- oder Physiotherapie, keine angepassten Hilfsmittel oder Technologien. Der Mangel an behindertengerechten Zugängen zu Gebäuden führt auch dazu, dass Kinder in ihrem Haus gebunden sind. Familien kämpfen alleine und tun ihr Bestes, um für ihre Kinder zu sorgen, werden aber an dem Mangel an Bildung und Ausbildung gehindert, der auch den Rest der Gesellschaft betrifft.

Die Hausbesuche bieten pädagogischen Input für das Kind mit Behinderung, Unterstützung der Eltern durch ein offenes Ohr und praktische Hilfe sowie Studienhilfe für Geschwister. Anna macht regelmäßig Hausbesuche und hofft, tiefere Beziehungen zu den Eltern aufzubauen – auf der Grundlage von Vertrauen kann sie leichter ihre beruflichen Erkenntnisse weitergeben, die, wenn es von den Eltern gewünscht wird, das Potenzial der Kinder freisetzen können.

Neue Werte schaffen

Der zweite Schwerpunkt liegt in der Vertiefung der bestehenden Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium im staatlichen Entwicklungs- und Wohnzentrum für Kinder und Jugendliche – eine von acht solcher Einrichtungen in Albanien. Es gibt dort etwa 30 junge Bewohner im Alter von vier bis 25 Jahren, die alle eine körperliche und/oder Lernschwäche oder sensorische Benachteiligungen aufweisen. Während einige Eltern ihre Kinder im Zentrum besuchen, sind andere Bewohner Waisen und wieder andere wurden von ihren Eltern verlassen oder haben Eltern, die nicht die nötigen Ressourcen haben, um ihre Kinder zu besuchen.

Viele der Betreuer haben keine angemessene Ausbildung. OM würde es begrüßen, wenn diese Betreuer ihr eigenes Potenzial entfalten könnten, damit sie ihrerseits den jungen Bewohnern helfen könnten, sich so weit wie möglich zu entwickeln. Anna ist begeistert, dass die Direktorin offen für ihr Kommen ist und es gab schon Gespräche über die Ausbildung der Betreuer. Anna ist sich jedoch der Herausforderungen bewusst, die mit dem Vertrauens-Aufbau zu den Mitarbeitern im Zentrum verbunden sind. Sie versucht, ihre Aktivitäten und Therapien auf eine sensible Weise durchzuführen, die von den Betreuern akzeptiert werden kann, da es Zeit braucht, Beziehungen aufzubauen, und die Konzepte und Werte für die Betreuer oft neu sind. Anna hofft, dass die Mitarbeiter später die neuen Fähigkeiten und Techniken, die sie in ihrem täglichen Umgang mit den Jugendlichen gelernt haben, anwenden werden.

Anna hofft auch, das Spektrum der Aktivitäten von OM zu erweitern. Derzeit gehen OM-Mitarbeiter und Mitglieder der Partnergemeinde wöchentlich ins Zentrum. Sie begleiten regelmäßig ein Dutzend Jugendliche in ein Café und veranstalten für sie eine einstündige Party. Es ist die einzige Zeit, die die Jugendlichen außerhalb der Institution haben – und natürlich ein Höhepunkt ihrer Woche. Diese Form von Spaß und Aufmerksamkeit hat sich positiv auf die sozialen Fähigkeiten und Verhaltensweisen der Kinder ausgewirkt.

Es gibt jedoch noch rund zwanzig weitere Bewohner, deren Behinderungen zu schwer sind, als dass sie draußen sicher betreut werden könnten und mit denen es schwierig ist, zu interagieren. Es wäre schön, auch für diese Gruppe Aktivitäten einzuführen und die Betreuer mit neuen Fähigkeiten für diese spezifischen Kinder und Jugendlichen auszustatten. Anna erzählt von einem Bedürfnis: „Die Rollstühle im Zentrum sind unzureichend, weil es ihnen an einigen Dingen wie Kopfstützen fehlt, sodass die körperlichen Probleme eines Kindes sogar noch verschlimmert werden können. Es ist so frustrierend. Wenn wir nur einen Kollegen hätten, der die vorhandenen Stühle modifizieren oder sogar spezialisierte Stühle bauen könnte!"

Wie man Anna unterstützen kann:

Bitte betet, dass Anna Sensibilität, Ausdauer und Weisheit hat, um effektive und vertrauensvolle Beziehungen zu Familien in der Gemeinde und zu den Mitarbeitern des staatlichen Zentrums zu entwickeln. Betet auch, das Sprach- und Kulturbarrieren minimiert werden und für berufliche Fähigkeiten, damit sie den Bedürfnissen junger Menschen mit dem ganzen Spektrum von Behinderungen gerecht werden kann. Beten Sie auch, dass Anna eine Quelle des großen Segens sein darf.

Auf Annas Schulter ruhen viele Hoffnungen und Erwartungen. Wenn Sie über entsprechende Fähigkeiten verfügen, können Sie sich vorstellen, sich der Arbeit von OM Albanien unter Menschen mit Behinderung anzuschließen – für einen Kurzeinsatz oder für eine langfristige Mitarbeit?

Postscript

Anna arbeitet nun seit vier Monaten im Zentrum mit mehreren Kindern in Einzelsitzungen und hilft in Bereichen wie der Entwicklung der Feinmotorik und der kognitiven Entwicklung. Die Betreuer haben begonnen, ein gewisses Interesse daran zu zeigen, Anna bei der Arbeit mit den Kindern zu begleiten. Anna hofft, dass sich die Kinder weiterentwickeln und dass das Interesse der Betreuer an der Weiterentwicklung der Kinder wächst. Anna macht weiter regelmäßige Hausbesuche und arbeit mit zwei Kindern mit besonderen Bedürfnissen, die zu Hause leben. Sie ist dankbar, wie die Dinge zustande gekommen sind, und freut sich auf ihre Arbeit mit diesen kostbaren Kindern.

*Die Messy Church ist eine Initiative der Bible Reading Fellowship, die eine Möglichkeit bietet, auf der ganzen Welt Kirche für Familien zu sein, die Spaß macht und Menschen hilft, Jesus als Herrn und Retter zu begegnen.