Auszeit für Gott

Anfang September 2016 flog ich nach Birmingham/UK, um dort am ELCO-Programm teilzunehmen. ELCO steht für English Language Culture Opportunity (Englische Sprache und Kultur Möglichkeit). Die ersten vier Wochen habe ich mich mit vielem sehr schwergetan. Ich konnte mich unter anderem einfach nicht an die Räumlichkeiten gewöhnen. Wir hatten leider nur im Schlafzimmer Fenster und in allen weiteren Räumen, in denen wir die meiste Zeit verbrachten, nur das künstliche Neonlicht. Beim Essen habe ich mich nach unserem Bäcker und seinem Schwarzbrot gesehnt. Aber irgendwann gewöhnt man sich an alles.

Mit Gott war es anfangs auch schwer. Ich hatte hohe Erwartungen und dachte, dass ich jeden Tag seine Gegenwart und Wunder erlebe. Aber es geschah nichts.

So fragte ich Gott, warum er sich mir nicht zeigt, warum ich mit ihm nichts erlebe. Ich fragte mich, ist das alles richtig, wofür ich mich entschieden habe? Einen Samstagabend bin ich mit fünf weiteren ELCO-Studenten zu einem Anbetungsabend in eine afroamerikanische Gemeinde gegangen, die wir nicht kannten. Es war ein wunderschöner Abend mit tollen Liedern, die Gott von ganzem Herzen lobten. Dort spürte ich Gott zum ersten Mal ganz nah, mein Herz war berührt von seiner Gegenwart.

Als der Pastor uns bat, nach vorne zu kommen, um für uns zu beten, bebte der Raum und ich hatte das Gefühl im Himmel zu sein! Eins zu eins wurde gezielt für die Personen gebetet und ich spürte, wie mächtig diese Gebete waren.

An einem Sonntagabend fand in der Gemeinde neben unserem Standort ebenfalls ein Lobpreisabend statt und ich hatte keine Ahnung, dass dort während des Gottesdienstes prophetisch gesprochen werden sollte. Der Abend verlief wunderschön mit tollen Liedern, zwischendurch sprach eine Person prophetisch zu einzelnen anderen Personen. Sie sprach irgendwann zu einer Studentin aus meiner Gruppe, die eigentlich dasselbe Problem wie ich hatte … Gott nicht sehen und spüren … oh wow, dachte ich … Ich sprach in Gedanken laut aus: „Wie kann es sein, dass ich dasselbe Problem wie sie habe und du durch diese Person zu ihr sprichst und nicht zu mir? Ich will dich auch hören, wo bist du? Sprich zu mir!!!“ Keine fünf Minuten vergingen, als für mich prophezeit wurde und ich war so aufgeregt und gespannt, was Gott mir durch diese Person nun tatsächlich mitteilen würde! Sie teilte mir mit, dass ich Jesus Parfüm mit mir trage und dort, wo ich hingehe, seinen Duft versprühe. Das heißt, egal wo ich bin, erzähle ich Menschen ohne Scheu von seiner großartigen Liebe.

Man sagte mir weiter, dass ich nicht immer etwas Spektakuläres erwarten, sondern auch die kleinen Dinge/Wunder sehen soll. Und sie sagte und bestätigte mir, dass ich gerade dort, wo ich bin, an diesem Ort richtig bin und Gott mich gebraucht. Die Fragen, die ich hatte, wurden mir beantwortet. Ich habe Gott herausgefordert und er hat geantwortet! Wow, ich war einfach baff!

Kurzeinsatzteilnehmerin in England freut sich auf einer Wiese
Eine weitere tolle Geschichte: An einem Tag machten wir einen Straßeneinsatz, bei dem wir einige Lieder und ein Theaterstück spielten. Kurze Erklärung zum Stück: Der Mensch hatte am Anfang eine tolle Beziehung zu Jesus, er zeigte dem Menschen wunderbare Dinge in seiner Gegenwart in dieser Welt, bis dann das Böse in die Welt kam. Schlechter Umgang mit falschen Freunden zogen dich weg von deiner reinen Beziehung zu Jesus, sie brachten dich auf die falschen Wege, boten dir Alkohol und Drogen an, verführten dich mit Geld und lebten dir vor, wie du aussehen sollst. Du bekamst Depressionen und hattest Angst. Es wurde vorgeschlagen, dass du dir das Leben nehmen sollst, weil es keinen Sinn mehr hat.

In dieser ganzen Zeit hat Jesus dich nicht aufgegeben und für dich gekämpft. Er holte dich zurück zu sich, nahm all deine Schuld und Lasten auf sich und wischte den Dreck von dir ab. Er umarmt dich und teilt dir mit, wie sehr er dich liebt!

Eine obdachlose Frau fand sich in der Geschichte wieder und war so berührt, dass sie vor Ort unter Tränen ihr Leben Jesus übergab. Davon war ich wiederum berührt und Gott einfach so dankbar!

Der letzte Tag von dreieinhalb Monaten war der absolut krönende Abschluss. Unser Programm sah vor, dass wir eine ganze Stunde allein mit Gott verbringen sollten. Worüber soll ich eine ganze Stunde mit Gott reden, ich bin doch in zehn Minuten fertig, dachte ich mir.

Ich suchte den Gebetsraum auf, weil es dort sehr still und dunkel ist und man dort nicht abgelenkt wird. Ich begann mit einem Gebet auf der Couch. Irgendwann wollte ich auf die Knie gehen, also legte ich mir ein Kissen auf den Boden. Nun dankte ich Gott für die harte und dennoch wunderbare Zeit in England, für einzelne Sachen/Situationen. Außerdem betete ich für meine Familie. Jeden Einzelnen nannte ich beim Namen (insgesamt 37 Personen).

Ich machte mit Freunden weiter, die mir sehr am Herzen liegen und die ich für Jesus gewinnen will. Auch hier benannte ich jeden Einzelnen. Dann überkamen mich die Emotionen und ich fing an, zu weinen. Nach ungefähr 20 Minuten hörte ich wieder auf. Ich war so angerührt … Vielleicht war es meine Angst, Freunde die ich nicht für Jesus gewinnen könnte, zu verlieren.

Ich betete für meine Zukunft, legte alles in Gottes Hände und wollte den Heiligen Geist spüren, einfach eine Umarmung bekommen. Dann sagte ich, dass ich hier und jetzt eine Antwort haben will. Also schlug ich die Bibel auf, suchte nicht, sondern las einfach auf irgendeiner Seite und erwartete, dass Gott zu mir spricht. Er tat es. Ich schlug Lukas 11 auf. Die Überschrift gab mir bereits die Antwort: Über das Beten. Ok, dachte ich, mal schauen was du mir sagen möchtest … Das ganze Kapitel 11, die Verse 1-13 waren die Antwort, nach der ich suchte. Es war für mich unglaublich, wie Gott in dieser Stunde so direkt zu mir sprach. Ich hatte geschwollene Augen und ein von Schminke verschmiertes Gesicht.

Nie ging für mich eine Stunde so schnell vorbei wie an diesem Morgen. Ich schaltete das Licht aus. Inzwischen kam eine Freundin mit ihrer Gruppe rein und fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei. Der Raum war stockdunkel, nichts war zu sehen. Sie sagte, dass ein Glanz/Strahlen von meinen Augen ausging und der ganze Raum leuchten würde. Das war unglaublich aber wahr. Ich selbst sah das Leuchten nicht aber sie.

Plötzlich erlebte ich einmalige und wunderbare Sachen mit Gott. Er hat sich in dieser Zeit so oft gezeigt und dennoch vergesse ich diese Momente und frage und suche erneut. Ich möchte ihm zu Hundert Prozent vertrauen, dann werde ich große Wunder erleben. Ich gebe ihm alles ab und will sein Werkzeug sein, um zum Segen für andere zu werden!

Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erlebnisse von Svenja während ihres Kurzeinsatzes wieder.