Das Evangelium für Afghanen per Radio übertragen

Alle Artikel zu 60 Jahre OM

Als sich die Türen gegenüber dem Evangelium schlossen, suchten die OM-Mitarbeiter nach offenen Fenstern. Während der ersten Jahrzehnte des Bestehens von OM wurde besonders für neun Länder gebetet, wo es keine  Christen gab. Heute gibt es kein Land ohne Nachfolger Jesu, obwohl es in Afghanistan seit Jahrhunderten keine funktionierende Gemeinde gibt.

Gordon Magney war überzeugt davon, das zu ändern, und ging in den 1960er-Jahren zum ersten Mal nach Afghanistan. Mel Warden*, der sich 1981 der Arbeit unter den afghanischen Flüchtlingen in Pakistan angeschlossen hatte, kehrte 1989 für ein Studium nach Kanada zurück. Da bat Gordon ihn, nach einer einmonatigen Ausbildung wieder Radioprogramme für afghanische Hörer einzuführen. Mel und seine Frau lernten eine Gruppe von Afghanen in Toronto kennen, die als Flüchtlinge zum Glauben an Jesus gekommen waren, aber im Glauben nicht weiterwuchsen. Als sie 1991 Karim* kennenlernten, gründeten sie im Haus der Wardens Pamir Productions (benannt nach einem der großen Gebirgszüge in Afghanistan) und produzierten jede Woche ein 15-Minuten-Programm auf Dari, der Sprache der Mehrheit. Innerhalb eines Jahres wuchs die Arbeit auf sieben halbstündige Programme.

Mel erinnert sich an ihren ersten Hörerbrief. „Wir konnten es kaum glauben. Das Lob dieses Menschen – und sein Mut, uns zu schreiben – gab uns gewaltigen Auftrieb. Wir begannen, die Briefe zu beantworten – das war, bevor es Internet in Afghanistan gab – und schufen schließlich ein Programm namens ‚Antworten auf Briefe‘, in dem wir die Fragen der Hörer lasen und sie im Rundfunk beantworteten,“ sagte er. Dieses Programm lief bis Ende der 1990er-Jahre.

Andere Route, gleiches Ziel

Der 11. September 2001 veränderte alles: Obwohl mehr als fünf Millionen Afghanen zurück ins Land strömten, stürzten die Reaktionen auf die Radioprogramme ab. Gab es noch eine Berechtigung, weiterzumachen? Oder gab es neue Technologien, die mehr Hörer zu Rückmeldungen veranlassen würden?

Dann wurde es im Oktober 2008 möglich, mit Afghanen direkt zu sprechen, indem die Anrufer mit einer westlichen Telefonnummer verbunden wurden. Anrufe aus Afghanistan hatten eine gewaltige Wirkung auf das Team, und sie bauten schnell effektive Mittel auf, um weiterzumachen.

„Wir verfolgen jeden Anruf und gehen jedem Hinweis nach. Heute haben wir über 4500 Afghanen in unserer Datenbank, die an verschiedenen Punkten ihrer geistlichen Reise stehen. Viele sind ernsthaft an Christus interessiert, fühlen sich aber allein. Einige Anrufer kritisieren unseren Dienst und verteidigen den Islam. Andere sind zum Glauben an Jesus gekommen und begierig, Jünger Jesu zu werden. Jeden Tag rufen vier bis fünf Afghanen an und möchten reden. Unsere Fernsehprogramme, die wir 2010 begonnen haben, werden von einem Großteil der Bevölkerung geschätzt,“ berichtet Mel. Pamir Productions hat immer leidenschaftlich alle verfügbaren Medien verwendet, um das Evangelium zu verbreiten. Das Team hat 2008, zusammen mit anderen Gruppen, eine neue Übersetzung der Bibel auf Dari auf den Weg gebracht. Obwohl es fast unmöglich ist, Material ins Land zu bringen und zu verteilen, ist nun ein großer Teil der Materialien, einschließlich der Bibel, online und als Apps über die Pamir-Website verfügbar – sowohl direkt für Suchende als auch für Christen, die es an afghanische Freunde in der ganzen Welt weitergeben.

Um neuen Gläubigen auf ihrem Weg mit Gott weiterzuhelfen, wurde 2016 eine virtuelle Bibelschule (VBS) eingeführt. Verschiedene Teammitglieder rufen jede Woche Afghanen per Internet und Handy an, um mit ihnen Gottes Wort zu studieren. Zehn „Klassen“ laufen so seit Ende 2016. Da die afghanische Kultur auf sozialen Verbindungen beruht und Außenseitern misstraut, die eine Gemeinde gründen wollen, indem sie Einzelne aus ihren Beziehungen herausreißen, um sie an unbekannte Beziehungen anzubinden, ist so etwas einfach nicht wirkungsvoll. Pamir erwartet, dass die VBS diese Kluft überbrücken wird. Denn von ihr können einfach mehr Auswirkungen ausgehen: Diese Kontakte können weitere Familienmitglieder und Freunde zu ihrer Studienzeit hinzuziehen, und das entspricht der Vision von Pamir, dass Afghanen andere Afghanen zum Glauben führen.

Während Sicherheitsbedenken Besuche im Land selbst undurchführbar gemacht haben, breiten sich die Afghanen selbst immer weiter in der Welt aus. Allein im Jahr 2015 kamen 150 000 nach Deutschland, um sich den Zehntausenden, die sich bereits dort niedergelassen hatten, anzuschließen. Das hat die ganze Gemeinde dort aufgerüttelt, viele suchen Kontakt mit ihren afghanischen Nachbarn. Pamir sieht die beispiellosen Möglichkeiten in Europa, Afghanen auszubilden und auszurüsten, sodass sie ihre eigenen sozialen Netzwerke in Afghanistan erreichen können.

In Zukunft möchte Pamir in zwei Bereichen wachsen. Der eine ist die Produktion weiterer kreativer Medien auf Straßenebene (nicht nur Studio-Programme), die eine größere Bandbreite von Afghanen im täglichen Leben einbezieht. In Verbindung mit topaktuellen sozialen Medien will Pamir eine weitere Gruppe von Gläubigen einbinden, um den Status quo infrage zu stellen und herauszufordern. Der zweite Bereich liegt in der Jüngerschaftsschulung, wie der virtuellen Bibelschulen, den Smartphone-Bibelkursen und der spezialisierten Schulung von afghanischen Suchenden und jungen Christen in Europa. Pamir prüft Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit iranischen Diensten, die bereits gut aufgebaute Jüngerschaftsprogramme haben. Einer der Träume ist ein christliches Trainingszentrum für Afghanen in Europa.

Nur Gott weiß, wie Afghanistans Zukunft aussieht. Pamir Productions arbeitet täglich mit Afghanen und es besteht die Hoffnung, dass diese Zukunft besser als je zuvor aussehen wird. Ein Hörer hat es am besten ausgedrückt: „Ich finde es wunderbar, wie ihr über Liebe und Frieden sprecht. Wir sind der Kriege und Kriegsherren müde. Ich gebe eure Sendedaten weiter. Ich möchte, dass alle unsere Landsleute diese Programme hören.“

Greg Kernaghan arbeitet schon seit 1978 mit OM. Zu jener Zeit waren die OM-Pioniere in Leitungspositionen und die Geschichten der ersten Abenteuer konnte man noch aus erster Hand hören. Greg und seine Frau Anni dienten auf dem Schiff, in Finnland, in Kanada und als Teil des internationalen OMNI-Teams (Kommunikation).

Alle Artikel zu 60 Jahre OM