Die Leben, die es kostete


„Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben opfert für seine Freunde.” – Johannes 15,13 (Gute Nachricht)

In der 60-jährigen Geschichte von OM erlebten einige Brüder und Schwestern dies am eigenen Leib: David Goodman, der 1979 in seinem Zuhause in der Türkei erschossen wurde. Bonnie Witherall, die 2002 ermordet wurde, als sie einheimischen Frauen in einer Frauenklinik in Sidon, Libanon diente. Karen Goldsworthy und Sofia Sigfridsson, die 1991 während einer Explosion bei einer öffentlichen Veranstaltung in den Philippinen ums Leben kamen. Gayle Williams, die 2008 in Kabul, Afghanistan getötet wurde. Diese Menschen gedenken wir heute als moderne Märtyrer von OM.

David Goodman – Türkei, 1979

Nachdem sie eine Broschüre mit dem Titel ‚Die Türkei, das vergessene Land‘ gelesen hatten, zogen David und Jenni Goodman 1977 nach Adana in der Türkei, wo David Englisch als Fremdsprache unterrichtete. Davids Witwe Jenni erinnert sich an den Morgen in ihrem zweiten Jahr in Adana, an dem sich alles veränderte. „Jemand kam an die Tür und ich hörte David fragen: ‚Wer ist da?‘ Dann hörte ich, wie sich die Tür öffnete … gefolgt von einem Schuss.“ Die verzweifelte Jenni fand schließlich einen Nachbarn, der David ins Krankenhaus brachte, wo er bei der Ankunft für tot erklärt wurde. In der Flogezeit wurde niemand deswegen verhaftet.

Jenni kehrte schwanger mit dem ersten Kind des Paares in die USA zurück und brachte einen Sohn zur Welt – David Yener, dessen zweiter Name ‚Er wird siegen‘ bedeutet. Ein Jahr später heiratete sie Bill Perry und das Paar bekam sechs weitere Kinder.

2015 reisten Jenni und Bill in die Türkei, um ihre Tochter zu besuchen, die dort auf einem Kurzeinsatz war. Es war Jennis erste Reise in die Türkei seit dem Tod Davids. Sie besuchten dort eine Gemeinde und sangen ein türkisches Lobpreislied, das David kurz vor seinem Tod geschrieben hatte – ein Lied, das noch fast vierzig Jahre nach seinem Tod gesungen wurde. „Viele Christen erinnern sich noch heute an das Opfer, das der Autor gebracht hat“, merkt Jenni an.

Karen Goldsworthy und Sofia Sigfridsson – Doulos in den Philippinen, 1991

Handgranaten, die während der Präsentation einer internationalen Nacht der Doulos an der Küste Zamboangas im August 1991 geworfen wurden, töteten zwei Frauen und verletzten viele andere. Aber dieser Vorfall änderte nichts an dem Engagement der Schiffe, Hilfe und Hoffnung zu allen Menschen auf der Welt zu bringen.

Joe Parker, damals Manager der Buchausstellung auf der Doulos und nun Mitarbeiter von OM Schiffe in South Carolina (USA), erinnert sich an dieses Ereignis. „Zwei Granaten wurden auf den Bühnenbereich geworfen. Die eine ging vor einer Bank und einigen Stühlen hoch, die andere explodierte nicht. Sofia, die auf einem der Stühle saß, und Karen, die auf der Bank gesessen hatte, kamen beide ums Leben. Ungefähr 30 weitere Personen wurden durch Granatsplitter verletzt.“

Welches Gute ging aus diesem Bösen hervor? Karens Schwester schloss sich der Besatzung der Doulos an, um die zweite Hälfte des zweijährigen Einsatzes ihrer Schwester abzuschließen. Joe erinnert sich an die Berichte Einheimischer, die einen Tag nach dem Attentat, einem Sonntag, beschlossen, ihr Leben Jesus zu geben. Und die Auswirkungen der Tragödie sind noch heute spürbar: Als die Logos Hope 2009 ihren Dienst antrat, wurden zwei Konferenzräume an Bord nach Sofia und Karen benannt. Ihre Geschichte wird nun bei den Schiffsführungen erzählt.

Bonnie Witherall – Libanon, 2002

Obwohl es schwierig ist, die volle Auswirkung des Todes eines jeden OM-Märtyrers zu bestimmen, so hatte der tragische Tod von Bonnie Witherall doch einen sehr großen Effekt auf die Arbeit von OM im Mittelmeerraum und darüber hinaus. Bonnie arbeitete in einer kirchlichen Klinik für Geburtshilfe, die sich um palästinensische Frauen aus einem nahegelegenen Flüchtlingslager in Sidon kümmerte. An einem Novembermorgen im Jahr 2002 öffnete Bonnie die Tür der Klinik, in der sie arbeitete, und wurde erschossen.

In der Zeit nach Bonnies Tod gab Gott ihrem Ehemann Gary die Vision für ‚Transform‘, einer Arbeit, die die Menschen und Nationen rund um das Mittelmeer erreichen möchte – eine Region, die Bonnie besonders am Herzen gelegen hatte. „Die Vision von Transform wurde aus einem großen Opfer heraus geboren“, sagte Gary während einer der ersten Transform-Konferenzen. „Unser Wunsch war es, Hunderte Menschen zu sehen, die hinausgehen und den Menschen von der Hoffnung erzählen, die sie in Jesus haben können.“

Zu ersten Transform-Konferenz im Juli 2010 in Rom versammelten sich fast 430 Menschen für eine Woche voller Gebete und Vorbereitungen. Später machten sich 35 Teams in 21 Mittelmeernationen auf. Seitdem haben fast 2000 Menschen die Transform-Konferenzen in Italien und Spanien besucht, mit Kurzeinsatzteams, die in verschiedene Länder wie den Libanon, der Türkei, Bulgarien, Jordanien, Ägypten, Albanien, dem Kosovo, Griechenland und Israel, aber auch nach Frankreich, Spanien, Portugal und in nordafrikanische Nationen gingen. Viele Teilnehmer kamen später mit einer Langzeitperspektive zu OM und auch heute, sieben Jahre später, ist Transform immer noch erfolgreich. (www.transform.om.org)

Gayle Williams – Afghanistan, 2008

Ein paar Monate vor ihrem Tod hatte Gayle Williams, eine 34-jährige Britin/Südafrikanerin, die in Kabul arbeitete, einen Traum: Ein fruchttragender Baum wurde gefällt und ein Trieb ging aus seinem Stamm hervor. Sie fragte Gott, was für eine Bedeutung der Traum für sie hatte und Freunde erinnern sich an die Antwort, die Gott ihr gab: „Gayle, du bist der fruchttragende Baum.“

Gayle hatte eine große  Leidenschaft für die afghanischen Menschen, besonders für diejenigen mit einer Behinderung. Sie hatte erst zwei Jahre lang in Afghanistan gearbeitet, als sie im Oktober 2008 auf ihrem Weg zur Arbeit in Kabul erschossen wurde. Zwei Männer auf einem Motorrad hatten versucht, sie zu kidnappen, doch als sie sich zur Wehr setzte, schossen sie mehrere Male auf sie und flohen. Gayle starb am Tatort.

Früher in diesem Monat hatte Gayle die Beerdigung von Gordon Magney besucht, einem der längsten Mitarbeiter in Afghanistan, der im Alter von 79 Jahren eines natürlichen Todes gestorben war und auf einem Ausländerfriedhof in Kabul beerdigt wurde. Eine Woche später lag ihr Körper neben Gordons im Grab.

Gayles Tod war ein großer Rückschlag für die Arbeit im Land und unter den Afghanen. Aber mit Tausenden von Afghanen, die auf der Suche nach Asyl nach Europa fliehen, gibt es neue Frucht unter ihnen. Laut Thomas*, einem afghanischen Missionsleiter, sind „viele durch die afghanische Diaspora Gottes Gnade gegenüber offen geworden und wurden zu Nachfolgern. Ziemlich viele (Afghanen) wurden in dem Baum verankert, den Gayle sah.“

Rebecca Barnhart arbeitete von 2001-2015 mit OM als Autorin und Leiterin für den Bereich Kommunikation in Ungarn, Österreich, England und den USA. Gegenwärtig ist sie freiberuflich als Autorin/Redakteurin tätig und erzählt dabei weiterhin leidenschaftlich gerne Geschichten von Gottes Wirken auf der Welt.

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