Ein Traum wächst – die Geschichte der algerischen Gemeinde

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Als Youssef, der Leiter von OM Algerien, mit seiner Frau Hie-Tee 1988 in sein Heimatland Algerien zurückzog, um dort eine OM-Arbeit aufzubauen, war die Erweckung unter den Kabylen im nördlichen Teil seines Landes schon voll im Gang.
Im Juli 1981 begann die junge kabylische Gemeinde – sie hatte gerade mal 40–50 Mitglieder – ein Zweijahresprogramm mit Fasten und Beten. Während dieser Zeit lernten sie auch 365 Verse, die mit Angst zu tun hatten, auswendig. Eine neue Radiostation begann, Predigten und Unterrichtseinheiten in die Region zu senden. Gleichzeitig startete eine Gemeinde in Ouadiha, geleitet von einem algerisch-schweizerischen Ehepaar, eine grossflächige Literaturverteilung in den Dörfern. Sie zeigten auch den Jesus-Film in den dortigen Cafés.

Ausgelöst durch verschiedene Zeichen und Wunder, gestärkt durch Fasten und Gebet, wuchs unter den Kabylen schnell ein kindlicher Glaube. Da Algerien zu Beginn der Erweckung für Ausländer praktisch geschlossen war, vertraute die junge Gemeinde auf Gott allein. Angst war den Kabylen nahezu unbekannt, sie waren sehr mutig. Dies führte zu einer rapiden Zunahme der Erweckung. „Sie lebten ihren Glauben offen“, sagt Youssef. „Auch die weltweiten Gebete halfen enorm!“

1962/63 verteilte eine Gruppe von OM-Mitarbeitern in Nordafrika und im Nahen Osten Handzettel, die für den North African Missions (NAM) Bibelfernkurs warben. Daraufhin landeten täglich Hunderte von Anfragen im NAM-Postfach in Tunis. Dies führte dazu, dass NAM aus Nordafrika ausgewiesen wurde. Danach etablierte sich NAM in Südeuropa, wo sie bis zum heutigen Tag die Radio School of the Bible betreibt. „Dabei realisierten die Langzeit-Mitarbeitenden, wie wichtig die Medien geworden waren und dass Tausende mehr über das Buch der Christen wissen wollten“, erklärte ein Langzeit-OM-Mitarbeiter.

In den späten Siebzigern fuhren zwei OM-Teams mit Lastwagen von Südspanien über Marokko und Algerien nach Mali. Später reisten zwei OM-Mitarbeiter mit dem Bus durch Algerien und besuchten die erste Langzeit-Mitarbeiterin – eine Frau, die in der Buchhandlung der Bibelgesellschaft mitarbeitete.

In ihren ersten Jahren im Land konzentrierten sich Youssef und Hie-Tee auf Pionierarbeit und darauf, der Gemeinde in Oran zu helfen. Christen aus der Kabylei waren oft in ihrem Haus zu Besuch. Sie waren begeistert von allem, was Gott dort tat, sahen aber auch, was alles noch nötig war. 1996 gründeten sie das House of Hope als Grundstein für die zukünftige Arbeit. Zu Beginn gewannen sie vier und bald mehr kabylische Christen für die Mitarbeit im OM-Team. Zuerst halfen sie bei Sommerfreizeiten mit, später in der Timothy School, einem Trainingsprogramm für algerische Christen.

Jedes Jahr reisen etwa 10–12 Lehrer nach Algerien, um an der Timothy School zu unterrichten. Viele kommen aus OM-Kreisen, andere aus Bibelschulen und Gemeinden aus der ganzen Welt. „Diese Lehrer hatten einen riesigen Einfluss auf das Leben unzähliger Algerier“, erzählt Youssef. „Es war ein grosses Geschenk, welches die algerische Kirche dadurch von OM erhielt. An der Timothy School erfahren die Studierenden Heilung und lernen biblische Grundsätze, die ihren Glauben und ihren Eifer stärken. Oft erhalten sie auch Visionen für ihren zukünftigen Dienst.“

Mustapha, einer der Absolventen der Timothy School, erzählte Youssef von seinem Traum, in seinem Heimatdorf eine Gemeinde zu gründen. Ausgerüstet mit Wissen und einer kleinen finanziellen Unterstützung, kehrte Mustapha nach Hause zurück und begann, Gottesdienste zu halten. Heute trägt ein Team von Christen die Verantwortung für diese Gemeinde und zusätzlich für eine Schule.

Anfang der 2000er Jahre nahmen Mouloud und Ali an einer Sommerfreizeit teil. Dort hatten sie die Vision, eine Gemeinde zu gründen. Da ihnen kein Gebäude zur Verfügung stand, begannen sie, sich im Wald zum Gottesdienst zu treffen. Heute besitzt ihre Gemeinde Land und ein Gebäude, in dem sie sich wöchentlich treffen. Mindestens 25 Leute wurden durch die Timothy School oder eine Sommerfreizeit inspiriert, in der Kabylei eine Arbeit zur Verkündigung der Guten Nachricht zu beginnen. Youssef kommentiert: „Es ist wunderbar, was Gott getan hat!“

Das House of Refuge (Schutzhaus) wurde 2009 eröffnet, um verfolgte algerische Christen aufzunehmen. Schon mehr als 400 Leute fanden hier Aufnahme, die meisten für eine bis zwei Wochen. Eine Frau blieb acht Jahre, und arbeitet nun für das Wachtelzucht-Projekt von OM Algerien.

Heute ist die algerische Kirche sichtbar und lebensfähig. Am 17. Juli 2011 wurde sie von der algerischen Regierung offiziell anerkannt. Gegenwärtig gehören 80 Mitarbeiter zum OM-Team. Sie arbeiten an der Timothy School, machen Nacharbeit in der Gemeindegründung, arbeiten mit Medien und im House of Refuge sowie im erst kürzlich aufgebauten A4M (Algerier für Mission) Programm. „Unsere Vision geht jetzt über die algerische Grenze hinaus“, sagt Youssef. „Darum begannen wir A4M. Wir haben die Vision, bis 2025 1000 Mitarbeitende in Algerien und in anderen Ländern einzusetzen. Ich glaube, dass wir hier ein riesiges Potenzial haben, um andere Nationen zu segnen.“

Im Juli 2016 begleiteten Youssef und Hie-Tee ein Team von vier Algeriern nach Malaysia, um dort 500 Evangelien, Neue Testamente und Jesus-Filme zu verteilen. Sie erlebten, dass viele Menschen die Gute Nachricht annahmen. „Unter den Flüchtlingen und unter den Arabern, speziell den Syrern, den Irakern und den Omanern besteht zurzeit eine grosse Offenheit“, sagt Youssef. Während ihres Aufenthalts organisierten sie in der malaysischen Kirche ein Komitee, das in Zukunft algerische Mitarbeitende aufnehmen wird. „Wir glauben, dass Malaysia ein erster Schritt ist. Gerne würden wir noch weiter gehen“, sagt er. „Gott vergrössert unseren Traum.“

Nicole James ist Journalistin, Lehrerin für Englisch als Fremdsprache und Abenteurerin. Sie schreibt für OM Mittlerer Osten/Nordafrika und brennt dafür, die Geschichten von Gottes Wirken untern den Völkern zu veröffentlichen und so den Menschen von den wunderbaren Dingen zu erzählen, die er in der Welt tut.

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