Gott hat Albanien lieb

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„Gott hat Albanien lieb“. Die holländisch angehauchten Obertöne von Bruder Andrew klangen durch das Stadion in Tirana; die meisten von uns weinten, als Tausende Albaner seinen Worten mit einem gewaltigen, emotionsgeladenen Schrei antworteten.

Über 45 Jahre war Albanien eins der verschlossensten – und ärmsten – Länder Europas gewesen. Christen beteten um Möglichkeiten, das Evangelium hineinzubringen, aber die Türen blieben hartnäckig geschlossen. Eins der kreativen Projekte von OM bestand darin, Päckchen mit Traktaten auf dem Wasser nach Albanien hineintreiben zu lassen, während ein OM-Schiff an der Küste entlangfuhr. Später entdeckten wir einige dieser Traktate im Museum für Atheismus und Religion in Tirana – als Beispiel für die Bemühungen westlicher imperialistischer Regierungen, die Albaner zu verderben.

Aber an jenem Tag im Juni 1991 hörten wir, ein kleines OM-Team, wie Bruder Andrew, zum ersten Mal seit Generationen, öffentlich das Evangelium verkündete. Die Reaktion war unglaublich: Die ganze folgende Woche war unser Team von Albanern voller Fragen umringt: „Hat Gott wirklich Albanien lieb? Denkt Gott an Albanien? Hat Gott uns wirklich lieb?“ Es war eine echte Verwandlung: Am Ende der Woche, am 7. Juli, wurden 43 Albaner im Tiranasee getauft. Was ein See im Herzen eines Landes, eingetaucht in Kommunismus und Atheismus, gewesen war, wurde zum Geburtstort der heutigen albanischen Gemeinde. Männer und Frauen erhoben sich aus dem Taufgewässer, erfüllt vom Vertrauen auf Christus – aber sonst hatten sie wenig. Keine Kirchengebäude warteten auf ihre Gottesdienste, es gab keine Lieder in der modernen albanischen Sprache, nur wenige Bibeln waren vorhanden. Aber ein neues Zeitalter zog herauf, voller Verheißung und Vorfreude.

Als Erste vor Ort

Letztes Jahr feierte OM das 25-jährige Bestehen der Jüngergemeinde in Durres, eine der vielen Gemeinden, die in den ersten Jahren der Öffnung entstanden. Ein südafrikanischer OM-Mitarbeiter, Pranesh Anandlal, war der Teamleiter und der erste Pastor dieser Gemeinde.

„Unser fünf Personen starkes Team kam zum ersten Mal im November 1991 ins Land. Unsere gespannte Erwartung wandelte sich schnell in entsetztes Schweigen: Die extreme Armut war unglaublich. Damals hatte Durres 60 000 Einwohner, und in der ganzen Stadt gab es nur acht Autos. Die Menschen besaßen nichts. Es gab so wenig zu essen. Wir waren die erste Gruppe Ausländer, die nach Durres kam und dort lebte, und sie wussten nicht, wie sie uns begegnen sollten.“

Das Team begann mit drei Zielen: die Sprache lernen, Bibel-Studiengruppen gründen und sich mit der Kultur vertraut machen. Innerhalb der ersten vier Wochen hatte das Team vier oder fünf Personen zum Herrn geführt, sagt Pranesh. Also luden sie am 25. Dezember alle, die sie kannten, zum ersten Weihnachtstreffen in Durres ein.

„Wir konnten nur wenig Albanisch, daher gebrauchten wir einen Dolmetscher“, erinnert sich Pranesh. „Es waren etwa 50 Personen da. Ich eröffnete das Treffen mit Gebet. Als ich halb durch war, stieß mich der Dolmetscher an: ‚Ich denke, du solltest zuerst erklären, mit wem du da sprichst. Diese Leute verstehen nichts von Gott.’ Damals hatten die Albaner buchstäblich keine Ahnung von Gott.“

Während dieses ersten Treffens hörte ein Mädchen, Oneida, das Singen auf Englisch, kam herein und setzte sich hinten hin. Am Schluss überreichte das Team jedem ein Geschenk – den einzigen Bibelteil in modernem Albanisch, das Johannes-Evangelium. Oneida nahm es, ging nach Hause und las es. Später traf sie auf Anthea, ein Teammitglied; sie hatte Fragen zu dem, was sie gelesen hatte. „Wie kann Gott mein Vater sein? Mein Vater ist tot.“ Anthea erklärte ihr, was es mit dem himmlischen Vater auf sich hat, und führte sie zum Herrn. Seit der Zeit trafen sich das Team und die neuen Gläubigen immer sonntags, und die Gemeinde wuchs in drei Jahren von fünf Gläubigen auf 150. „Die Gemeinde ist bis heute sehr lebendig“, bestätigt Pranesh.

Lobt Gott für Albanien! Singt Gottes Lobpreis für Albanien

Im Frühling 1992 wurden Pranesh und das Team zu einer albanischen Hochzeit eingeladen. „Die Braut wünschte, dass die Ausländer bei ihrer Feier dabei sein sollten, und wir nahmen unsere Gitarre mit, falls man uns bitten sollte zu singen.“ Das taten sie dann auch; hinterher weinte die Brautmutter und erklärte: „Als ich ein junges Mädchen war, hatte ich eine Vision oder einen Traum, dass eines Tages eine Gruppe Ausländer kommen und Gottes Lobpreis für Albanien singen würde“, berichtet Pranesh. „Wir führten sie zum Herrn, zusammen mit ihrem Ehemann.“ Inzwischen ist sie zum Herrn gegangen, aber ihr Mann ist immer noch Diakon in der albanischen Gemeinde.

„Gott hat uns ein einzigartiges Fenster der Möglichkeiten in Albanien gegeben. Es dauerte etwa fünf Jahre, bis sich die Dinge veränderten“, fährt Pranesh fort. „Wenn wir nicht davon Gebrauch gemacht hätten, hätten wir es verpasst. Aber weil OM kreativ war, flexibel und bereit, hat Gott uns gebraucht. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Es gab keinen festen Plan, wie Albanien zu erreichen war, aber die Gemeinden, die wir gegründet haben, blühen immer noch. Sind wir ebenso bereit, uns heute von Gott gebrauchen zu lassen?“

Katherine und ihr Mann Lloyd haben 26 Jahre bei OM gearbeitet. Sechs Jahre lang halfen sie, Teams in Osteuropa aufzubauen, nachdem ihnen der Zusammenbruch des Kommunismus den Weg für elf Jahre als Feldleiter in Russland öffnete. 2007 zogen sie und ihre beiden Töchter nach West-Australien, wo sie Menschen zum Dienst in der OM-Welt mobilisieren und aussenden. Zur Zeit ist Katherine Direktorin von OM für den Bereich globale Organisationsentwicklung.

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