Leben, wie Jesus gelebt hat

Als Nepal sich 1951 erstmals der Welt öffnete, wusste man von nur fünf Christen dort. Heute schätzt man die Zahl der Gläubigen auf eine Million. 1968 besuchten OM-Mitarbeiter zum ersten Mal Nepal. Sie steckten mit einigen Wagenladungen von Literatur in Indien, mussten aber wegen bestimmter Visa-Vorschriften in das kleine Land an der nördlichen Grenze hinüber. Zunächst eröffneten sie einen Buchladen in Kathmandu, aber bald gingen OM-Teams in die Dörfer überall im Land, da es ort nur wenige Bücher und Informationsquellen gab.

1990 begann OM mit einem Trainingsprogramm für einheimische Leiter, die ihrem eigenen Volk dienen sollten. Dieser drei Monate, später ein Jahr dauernde Trainingskurs, verband eine gründliche biblische Ausbildung mit praktischen Einsätzen, sodass die Studenten lernten, sowohl für die körperlichen, als auch für die geistlichen Bedürfnisse der Dorfbewohner zu sorgen. Dadurch konnten tiefe und vertrauensvolle Beziehungen überall in Nepal entstehen. „Sie wussten, dass es unser Herzenswunsch war, die Gläubigen so auszurüsten, dass sie ihrer Gemeinde und ihrem Wohnort helfen konnten,“ erzählt Mike*, ein ehemaliger Leiter von OM Nepal.

Während der nächsten 26 Jahre wuchs die Teilnehmerzahl an diesen Programmen von 21 auf über 130 Studenten im Jahr, die in Kathmandu geschult und dann auf mehrwöchige Einsätze geschickt wurden, um notleidenden Dörfern praktische zu helfen. Die Studenten führten zwar Menschen zum Glauben, aber viele von diesen hatten keine Gemeinde vor Ort, durch die sie weiter im Glauben begleitet werden konnten. Darum wurden im Jahre 2010 Dorf-Partnerschaftsteams (Village Partnership Teams – VPT) gegründet. Die Teams, jeweils aus Männern und Frauen bestehend, leben zu zweit in den Dörfern und bieten dort Lese- und Schreibklassen, Hygieneunterricht und erste Schritte zur Jüngerschaft an.

Später wurden diese in Gemeinschaftsmobilisationsteams (Community Mobilisation Teams) umbenannt und die Teilnehmer erhielten intensivere Schulung darin, junge Gläubige zu Jüngern zu machen, sodass sie Gemeinschaften gründen und im Glauben wachsen konnten. Dadurch haben Hunderttausende die Gute Nachricht gehört, und Hunderte entschieden sich jedes Jahr für Christus.

Hin zu den am wenigsten Erreichten

Eine Veränderung ergab sich Ende 2012. Die Leiter von OM Nepal erkannten, dass Hilfsmittel, Arbeitskräfte und Einsätze auf acht der bis dahin am wenigsten erreichten Landesteile konzentriert werden müsste. Dort leben mehr als 1,5 Millionen Menschen, von denen, soviel man weiß, weniger als 0,02 % gläubig sind, und wo kaum andere Organisationen arbeiten.

„Wir arbeiten, wo es keine Gemeinde gibt, aber wir bauen örtliche Gemeinschaften auf,“ erklärt Bahadur*, ein OM-Mitarbeiter. Durch die Ausbildung und Befähigung lokaler Mitarbeiter mit einfachen und wiederholbaren Trainingsmethoden hat die Zahl der christlichen Gemeinschaften dort zugenommen. Bahadur fährt fort: „Wir beobachten, wie ganze Dorfgemeinschaften, wo es vorher keine Gläubigen gab, durch das wahre Wort Gottes verändert werden.“

2014 arbeiteten zwei CMT-Mitarbeiter in einem Dorf mit sehr wenigen Gläubigen, wo der nächste Pastor nur durch einen mehrstündigen Marsch zu erreichen war. Eine Gruppe von Studenten bot an, 40 Schlüsselgeschichten aus dem Alten und Neuen Testament zu verwenden, um Gläubige näher zu Christus zu führen und Gottes Plan mit den Unerreichten weiterzugeben.

Jede Woche versammelten sich 20 bis 25 Menschen, um eine neue Geschichte zu studieren. Nach der Geschichte über die Taufe Jesus und seine Versuchung in der Wüste erklärten sich 11 von ihnen bereit, Christus folgen zu wollen und sich taufen zu lassen. Das OM-Team rief den örtlichen Pastor zu einem Besuch, und sie sprachen zusammen mit den Interessierten über die Schlüsselaspekte ihrer Entscheidung. Nachdem er sie befragt hatte, wandte sich der Pastor überrascht an die CMT-Mitarbeiter und sagte: „Diese Menschen können meine Fragen besser beantworten, als so manche Christen, die seit Jahren die Kirche besuchen.“

Ende 2015 schloss sich OM mit mehreren anderen Organisationen zu dem Projekt „Ein Neues Testament in jedes Haus“ zusammen. OM-Mitarbeiter wurden in Brennpunktgebiete ausgesandt, um Literatur an den Türen zu verteilen. Das bedeutete eine mehrtägige Busfahrt und gefährliche Wanderungen auf schmalen Felsenpfaden. Die Teammitglieder trugen Kisten und Taschen durch das raue Gelände und verschenkten Speicherkarten mit Audio-Dateien für Analphabeten.

„Wir treffen immer wieder auf Gläubige in entlegenen Gegenden, die durch unsere Literatur zum Glauben gekommen sind,“ stellt Mike fest. „Ein Pastor vor Ort, dessen Telefonnummer auf unserem Material verzeichnet ist, wird sieben- bis achtmal am Tag von Menschen angerufen, die mehr wissen wollen!“

OM Nepal arbeitet weiter an Wegen, Menschen zu Jüngern zu machen, und passt sie immer wieder an. Besser, als Studenten aus ganz Nepal nach Kathmandu zum Unterricht kommen zu lassen und dann in die wenig erreichten Gebiete auszusenden ist es, Studenten in den Gebieten zu finden, wo es die wenigsten Gläubigen gibt, und die Lehrer gehen dorthin, wo die Studenten leben.

„Wir wollen leben, wie Jesus gelebt und zusammen mit seinen Jüngern gedient hat“, sagt Bill*, ein anderer Leiter von OM Nepal. „Unsere Mitarbeiter leben also in den am wenigsten erreichten Dörfern, lehren die Menschen vor Ort und bauen neue Gemeinschaften auf, wo es noch keine gibt.“ Diese neue Methode wird seit Beginn des Jahres 2017 angewendet.

* Name geändert

Ellyn S. wuchs als US-Amerikanerin in Europa auf und widmet sich ihrer Liebe zum Reisen, Schreiben und Fotografieren. Sie hat kreatives Schreiben studiert und arbeitet als Autorin für OM. Sie gebraucht mit Leidenschaft ihr Können, um bewegende Geschichten über Gottes Wirken in Asien aufzuschrieben.

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