Mit Bus, Fahrrad oder Boot:

OM-Mitarbeiter machen das Neue Testament in Bangladesch zum Nr. 1 Bestseller

„Wir behaupteten, ein drittes OM-Schiff zu haben“, erzählte Andrew, nachdem er zehn Tage lang auf dem Literaturboot von OM Bangladesch mitgearbeitet hatte. Andrew arbeitete in Bangladesch, seit OM im Jahr 1972 die Arbeit dort aufgenommen hatte. Auf den 5,6 m langen Fiberglasbooten von OM Bangladesch war Platz für fünf bis sechs Personen Platz. Unter dem hölzernen Deck wurden Vorräte, Kleider und viel christliche Literatur in bengalischer Sprache verstaut. Die Teams blieben meist auf den Flüssen und verteilten von dort aus Literatur. Nach zwei Monaten kehrten sie für ein weiteres Studienseminar ins OM-Zentrum zurück.

„Ingenieure des OM-Schiffes Logos hatten dieses Unternehmen mit einem viel größeren Boot begonnen“, erinnert sich Andrew. „Da das Gesetz jedoch für diese Bootsgrösse ausgebildete Matrosen vorschrieb und OM keine solchen hatte, wurde das erste Boot bald wieder verkauft.“ Die Logos besuchte Bangladesch mehrmals in den frühen Siebzigerjahren und OM begann die Arbeit offiziell nach der Unabhängigkeit des Landes 1972.

Die Bibel zugänglich machen

Bangladesch hat mehr als 700 Flüsse mit einer Totallänge von über 24 000 Kilometern. Tausende Dörfer in ländlichen Gebieten sind nur mit einem Boot erreichbar und von der Guten Nachricht unerreicht. Ein Literaturboot wurde die kreative und praktische Antwort von OM auf diese Herausforderung, die Nachricht von Jesus zu sonst unerreichbaren Millionen zu bringen.

Die Teams verkauften christliche Literatur auf Märkten und an Haustüren. Es war wichtig, dass die Bücher einen, wenn auch nur kleinen, Geldwert hatten, da sie sonst geradewegs dem Altpapierhändler verkauft worden wären. „Einheimische Christen sagten, dass es nicht möglich sei, Bücher zu verkaufen“, erinnert sich Andrew. Trotzdem ging das erste bengalische Team in ein großes Einkaufszentrum in Dhaka. „Sie verkauften alles, was sie dabei hatten! Von da an reisten OM-Teams mit Kleinbussen, Booten und Fahrrädern durchs ganze Land und verteilten große Mengen christlicher Literatur.“

Ein Bestseller

Hindus waren zu Beginn das Zielpublikum von OM in Bangladesch. Aber dann, 1976, fanden zwei Muslime zum christlichen Glauben. Als viele Muslime eine Offenheit für die Gute Nachricht zeigten, änderte sich die Ausrichtung von OM. Spezielle Einsatzteams begannen eine Massenverteilung von bengalischen Neuen Testamenten und christlicher Literatur an die muslimische Bevölkerungsmehrheit. Sie begegneten großem Interesse, merkten jedoch, dass sich nicht alle Bücher zum Verkauf eigneten: „Muslime wollten keine Bilder in ihren religiösen Büchern. Zudem gab es viele verschiedene bengalische Dialekte“, berichtet Andrew. OM passte die Literatur daraufhin den Umständen an und machte sie attraktiver. „Diese großflächigen Verteilaktionen, gefolgt von Bibelkorrespondenzkursen, öffneten die Herzen. Daraufhin begannen wir, auch Gemeindegründungsteams auszusenden”, erklärt Andrew weiter.

Nachdem Bangladeschs Bibelgesellschaft 1980 das Neue Testament im lokalen muslimischen Dialekt publiziert hatte, begann OM eine groß angelegte Verteil- und Verkaufsaktion. Bis 1987 verteilten fünf Teams ununterbrochen christliche Literatur und Neue Testamente. Insgesamt waren sie 15 Jahre lang mit Bus, Fahrrad und Boot unterwegs. Jedes Jahr richteten sie ihren Schwerpunkt auf ein anderes Gebiet in Bangladesch.

„Wir waren motiviert, die Gute Nachricht denjenigen zu erzählen, die sie noch nie gehört hatten und in Gegenden wohnten, die als unerreicht galten“, erzählt Paul, der in einem der ersten OM-Teams mitarbeitete.

In 1988 stolperte das Team über einen Artikel in einer Zeitung aus Kalkutta über Bestseller-Bücher. Damals nannte man ein Buch „Bestseller“, wenn es über 200 000 mal verkauft worden war. „Wir hatten das bengalische Neue Testament zu einem erstklassigen Bestseller gemacht, indem wir weit über 200 000 Exemplare verkauft hatten“, erzählt Paul.

„Es kam vor, dass Teams von feindlichen Gruppen bedroht wurden, aber meist waren die Menschen begeistert und dankbar für ein Neues Testament oder sogar für eine ganze Bibel, die sie dann auch selber lasen“, erinnert sich Paul. „Oft nahmen die Religionsleiter ein Neues Testament, legten es auf ihren Kopf, küssten es aus Respekt und dankten uns dafür.“

Gott hielt seine schützende Hand über die OM-Teams. „Während vielen Jahren reisten sie hunderttausende von Kilometern auf Straßen und Flüssen durchs ganze Land ohne je einen ernsten Unfall zu haben! Zweimal sank ein Boot, aber niemand wurde verletzt. Beide Male konnte das Boot an Land gezogen und repariert werden — und dann ging die Arbeit weiter“, erzählt Andrew.

OM-Teams erlebten Gottes Versorgung in ihren unermüdlichen Einsätzen über viele Jahre hinweg und in den Gemeinden, die in ländlichen Dörfern gegründet wurden. Es wird berichtet, dass mehr als 100 000 Nachfolger von Jesus aus muslimischem Hintergrund stammen.

OM Bangladeschs Geschichte beeinflusst auch die heutige Arbeit und ist Teil der Vision, sich für dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten einzusetzen.

*Name geändert

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