Struktur in eine Pionier-Bewegung bringen

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Im Verlauf der 60-jährigen OM-Geschichte haben drei Männer die Bewegung angeführt: Gründer George Verwer, Peter Maiden und Lawrence Tong, der aktuelle Leiter. Peter Maiden war 20 Jahre Georges ‚Thronanwärter‘ und wurde 2003 internationaler Direktor, ein Amt, das er bis ins Jahr 2013 innehatte. OM sprach mit ihm und seiner Frau Win über die 40+ Jahre bei OM, in denen sie fast 100 Länder besucht haben und die zehn Jahre, in denen Peter als internationaler Direktor von OM gearbeitet hat. Peter kam 1973 als Leiter von OM Großbritannien zu OM. „George hat mich ursprünglich darum gebeten, für ein Jahr zu kommen“, sagt Peter, „und das war wirklich ein langes Jahr!“

Zu welchem Zeitpunkt wusstest du, dass du in Georges Fußstapfen als Internationaler Direktor treten würdest?
Peter: Ich war bereits seit fast 20 Jahren der stellvertretende Internationale Direktor gewesen. Es war schon beinahe selbstverständlich, weil ich so eng mit George zusammengearbeitet hatte. Dennoch gab es ein solides Verfahren, um meine Ernennung zu formalisieren. Ich war mir also bis zu der endgültigen Abstimmung auf dem internationalen Leitertreffen (ILM) 2002 nicht sicher.

Was waren deine primären Ziele, als du im August 2003 übernommen hast? Hast du das Gefühl, dass du sie erreicht hast?
Peter: Es war ein seltsamer Übergang, weil ich bereits in meiner Rolle als Stellvertreter die ILM, den internationalen Vorstand (IEC) und den strategischen Planungsprozess geleitet hatte. Ich war bei der Zielentwicklung involviert gewesen. Als ich also von George übernommen habe, war es kein abruptes ‚Lass mich beten und unsere Ziele überdenken‘. Das tat ich bereits. Wir haben uns mit ganzheitlicher Mission beschäftigt.
Wir hatten immer viel mit Verkündigung gearbeitet und wollten dies auch weiterhin tun, aber andererseits realisierten wir, dass unsere Arbeit in vielen Teilen der Welt die ganze Person und Gesellschaft miteinbeziehen musste. Als Teil von ganzheitlicher Mission wollten wir auch darauf achten, wie die Gaben einer Person in der Mission genutzt werden könnten. Wir befassten uns in unserer Missionsstrategie mit Sport, Geschäftsmodellen, Tanz und anderen Methoden. Wir strebten außerdem danach, es nicht-westlichen Menschen in der Bewegung leichter zu machen, Positionen mit großer Verantwortung einzunehmen. Wir haben nur die ersten Schritte in dieser Umstellung gemacht, Lawrence hat diese Dinge viel weiter vorangetrieben.
Ein anderes Ziel war die Entwicklung einer nächsten Generation von Leitern. Die Leitungskurse Joshua Journey (Josua-Reise) ging daraus hervor, genauso wie das Leadership Matters (Leiterschaft zählt) und das Leader as a person (Leiter als Menschen)-Training. Wir machten außerdem Fortschritte von der Pionierbewegung – in der George alles in einer Tasche herumgetragen hatte – zu der Entwicklung der ersten Rechenschaftsinstanz für den Internationalen Direktor und zu den ersten Diskussionen über einen internationalen Vorstand. Wir wurden mehr dezentral als eine feldgeleitete Bewegung, in der die Areas (Gebiete) mehr in die Entscheidungen für ihre Felder involviert waren. Wir konzentrierten uns außerdem darauf, Fundraising als eine Mission zu sehen, und nicht als eine qualvolle Notwendigkeit.
Die Schlüsselbeziehung in meiner Position hatte ich zu George und so war es unglaublich wichtig, weiterhin eine gute Beziehung zu ihm aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass er sich als der Gründer der Organisation geschätzt fühlte. Ich bin begeistert davon, wie wohl sich George immer noch bei OM fühlt und dass die Organisation sich auch mit ihm wohlfühlt.

Viele Menschen haben vermutlich das Gefühl, dich gut zu kennen, da du ja über ein Jahrzehnt lang der Leiter von OM warst. Was würde die Menschen am meisten über deine Zeit als Internationalen Direktor überraschen?
Peter: Bis zu einem gewissen Punkt fühlte ich mich immer etwas unqualifiziert für die Rolle, da ich selbst nie für lange Zeit in einer kulturübergreifenden Situation gelebt habe. Ich bin in Carlisle, Großbritannien geblieben, wo Win und ich auch herkommen. Es hat eine unglaubliche Stabilität für die Familie gebracht, brachte aber auch einige Defizite mit sich: Als wir über die Integration des Globalen Südens in unsere Arbeit redeten, die vom Westen dominiert wurde, fühlte ich mich sehr schwach, weil ich nie außerhalb meiner eigenen Kultur gelebt hatte.

Was war für euch die härteste Reise, die ihr antreten musstet?
Peter: Nach dem Anschlag auf der Doulos auf den Philippinen 1991 flog ich gemeinsam mit Dale Rhoton dorthin, besuchte die Opfer, die überlebt hatten, und ging dann auf das Schiff. Ich musste Andachten halten und über Leid und Gottes Absicht dahinter sprechen. Das war sehr herausfordernd, sehr emotional.
Win: Für mich war es der Besuch einer alten evangelischen Kirche in Peschawar, Afghanistan. An der Wand waren dort Plaketten von Missionaren und ihren Kindern, die gestorben waren. Es machte mich demütig, die Realität der Opfer vor mir zu haben, die diese Menschen gebracht hatten.

Jetzt ist es fast vier Jahre her, dass du dein Amt an Lawrence Tong abgegeben hast. Was vermisst du am meisten und am wenigsten daran, der internationaler Direktor von OM zu sein?
Peter: Ich vermisse definitiv die Tiefe der Gemeinschaft, besonders mit dem IEC und der Geschäftsführung hier in Carlisle. Aber ich vermisse es nicht, immer wieder Abschied von meiner Familie nehmen zu müssen und ständig auf Reisen zu sein.
Win: All die Trennungen und Abschiede, wenn Peter wieder auf Dienstreise musste, waren hart für die Familie. Ich war anfangs kein Teil eines Teams und verstand nicht, was OM war und warum Peter reisen musste. Ich nahm an einer Konferenz in Belgien [in den späten 1970er-Jahren] teil und verstand dann die Gesamtzusammenhänge von OM und den Grund für Peters Reisen. Als ich über die Jahre hinweg OM immer besser kennenlernte, liebte ich OM und bewunderte was jeder dort tat. Jetzt vermisse ich Freunde überall auf der Welt.
[Als wir sie fragten, was sie am meisten in ihrem Leben nach dem Dienst als Internationaler Direktor genießen, stimmten beide überein, dass es die gemeinsame Zeit ist, die sie nun miteinander verbringen können. „Wir lieben es, nach all diesen Jahren zusammen zu sein“, meinte Win. „Wir schwelgen darin.“]

Win, was für einen Rat hast du für Ehefrauen von Missionsleitern?
Win: Als Mutter und Ehefrau sage ich: Kümmere dich um die Erziehung, denn dafür hast du nur die eine Chance. Es ist nicht das ‚Zweitwichtigste‘, wenn du in der Mission tätig bist. Elternschaft ist die größte Aufgabe, die du zu erledigen hast.

Peter, bist du viel in Kontakt mit George oder Lawrence? Gibt es eine geheime ‚Drei-Musketiere-Gruppe‘, die nur du, George und Lawrence besuchen können?
Peter: Ich halte per E-Mail den Kontakt zu George und treffe ihn bei seinen Special Projects-Meetings (Arbeitsbereich von George Verwer – Anm. der Redaktion). Lawrence hat, seitdem er übernommen hat, mit großem Respekt den Kontakt zu mir gehalten. Ich habe ihn im Dezember 2016 gesehen und wir drei waren gemeinsam in Bangkok auf der ILM 2017.

Wie verbringst du jetzt deine Zeit?
Peter: Ich habe eine große Menge an Vorträgen und Predigten. Mein letztes Buch, Building on the Rock (auf dem Felsen bauen) wurde im Sommer 2016 veröffentlicht und konzentriert sich auf unsere Identität in Christus als seine Söhne und Töchter. Ich bin außerdem in einer Mentoring-Beziehung mit einigen Männern und ich berate mehrere christliche Organisationen.

Was ist dein Gebet für OM, wenn wir jetzt dieses 60-jährige Jubiläum begehen?
Peter: Die Richtung, in die OM sich bewegt, ermutigt mich sehr. Mein Gebet ist, dass die Organisation in Einheit bleibt und der deutliche Vorsprung, den der globale Planungsprozess OM verschafft hat, aufrechterhalten werden kann.

Rebecca Barnhart arbeitete von 2001-2015 mit OM als Autorin und Leiterin für den Bereich Kommunikation in Ungarn, Österreich, England und den USA. Gegenwärtig ist sie freiberuflich als Autorin/Redakteurin tätig und erzählt dabei weiterhin leidenschaftlich gerne Geschichten von Gottes Wirken auf der Welt.

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