Bierflaschen, Konfetti und das Johannesevangelium

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Zur gleichen Zeit, als Karnevalisten in völlig verrückten Kostümen in Bonn in die Kneipen strömten, zog ein Team von Riverboat-Mitarbeitern los, um in der Stadt zu beten. Im Gepäck hatten sie Flyer, das Johannesevangelium und eine Gitarre.

Als das Team an diesem Nachmittag losging, waren viele Leute in der Stadt bereits betrunken. Der Boden war übersät mit Konfetti und Bierflaschen. Die Riverboat-Mitarbeiter stellten sich mitten auf einen großen Platz und damit voll hinein in das zunehmende Chaos. Einige begannen, Lobpreis zu machen, andere liefen herum und beteten und wieder andere gingen aktiv auf Leute zu, um ihnen vom Riverboat und hoffentlich auch vom Evangelium zu erzählen. Die Lobpreismusik füllte schließlich den Platz und hatte den Effekt, dass sich die Menschenmenge etwas auflöste und eine friedliche Atmosphäre entstand.

„Unsere unmittelbare Umgebung wirkte zwar bedrohlich und die Leute waren zügellos und betrunken, aber die Lobpreismusik im Hintergrund und der Blick auf die anderen, die am Beten waren, gaben mir Kraft“, erzählte Salvina Tallone aus Italien. „Das ist das Geniale an der Arbeit im Team.” Später begegnete Salvina einem italienischen Pärchen – es waren die ersten Italiener, die sie traf, seit sie auf dem Riverboat war – und lud sie auf das Riverboat ein.

Bernice Nicoll aus Südafrika, Ehefrau des Riverboat-Direktors, war gerade zu Besuch und begleitete die Gruppe in die Stadt, als ihr an einer Kirche ein Hinweisschild ins Auge sprang. „Die Kirche hatte ein Schild aufgehängt, auf dem stand, dass die Kirche am Schmutzigen Donnerstag und am Rosenmontag, also an den Tagen, an denen die großen Karnevalsumzüge stattfinden, geschlossen sein würde“, berichtet Bernice. „Ich finde es traurig, dass die Kirche sich gegen die Menschen abgeschottet hat, wo das doch so eine gute Möglichkeit ist, Menschen zu erreichen.“

Eine Gruppe von Männern aus Syrien stand in der Nähe der Lobpreismusiker und war neugierig. Im Gespräch mit ein paar Mitarbeitern wollten sie wissen, warum die Riverboat-Leute nicht am Feiern waren. „Ich glaube an Jesus. Ich brauchen keinen Alkohol um Spaß zu haben und gut drauf zu sein“, erklärte ihnen Clara Marquardt aus Deutschland und konnte so mit ihrer klaren Antwort ein Zeugnis für diese Männer sein.

Ein anderes Teammitglied, Marleen Barnard aus den Niederlanden hatte, bevor sie losging, im Gebet ein Bild: Sie sah einen Mann mit einem Hund. Sie schaffte es, ihn in der Stadt ausfindig zu machen und lud ihn auf das Riverboat ein.

Von den Partygängern unbemerkt – sie waren bestens gelaunt – saßen viele Bettler in der eisigen Kälte. Luke* traf einen Obdachlosen, mit dem er im Laufe der Woche Bekanntschaft geschlossen hatte. Gemeinsam mit anderen Mitarbeitern plauderte Luke mit ihm und seiner Frau unter einer Brücke in der Nähe der Riverboat-Anlegestelle. Dort schlafen die beiden auch von Zeit zu Zeit. Das Pärchen war schon einige Tage zuvor an Bord eingeladen worden, damit sie dort duschen konnten. Auch hatten OM-Mitarbeiter viele Male für ihre komplizierte Lebenssituation gebetet. Luke versuchte, das Paar mit einer christlichen Organisation aus Bonn, die Menschen ohne Obdach und in Drogenabhängigkeit hilft, in Kontakt zu bringen, bevor er mit dem Riverboat weiterfuhr.

Obwohl die Besatzungsmitglieder erwartungsgemäß einige Male im Laufe des Nachmittags die Ablehnung der Partymeute zu spüren bekam, war das Team dankbar über einige positive Gespräche. Diese waren möglich geworden durch eine gute Zusammenarbeit im Team und durch Gottes Führung.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert

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