Eine Bibel im Regal

Autor: Aylin Mardin

Alle Artikel zu 60 Jahre OM

2011 wurde die Arbeit von OM in der Türkei 50 Jahre alt und Eileen, eine Langzeitmitarbeiterin von OM, fühlte, dass mehr als eine Feier nötig war, um den Anlass hervorzuheben. Sie erinnerte sich an ihr Gespräch mit Bischof Haik Hovsepain aus dem Iran, einige Jahre bevor er aufgrund seines Glaubens hingerichtet worden war. Er glaubte fest daran, dass die unglaublichen Dinge, die Gott im Iran getan hat, auf ein Projekt in den späten 1970er-Jahren zurückzuführen sind, bei dem jedes Haus im Iran eine Bibel erhalten sollte.

OM und andere Organisationen arbeiteten zusammen, um das ganze Land mit biblischen Schriften abzudecken, als ihre Bemühungen von der Iranischen Revolution 1979 unterbrochen wurden. „Sogar das war Teil von Gottes Plan“, sagt Bischof Haik, „als jeder in Angst und Verzweiflung über das war, was im Land passierte, lag die Bibel auf dem Regal.“

Eileen dachte über die politischen Veränderungen nach, welche in der Türkei passierten. Sie glaubte, sie hätte weder den Glauben noch die Kapazitäten, ein Projekt zu leiten, um jedes Haus im Land zu erreichen. Aber sie glaubte, sie könnte ein Team finden, welches in jede der 81 Provinzen der Türkei geht, um Literatur zu verteilen und um mutig das Evangelium in der Öffentlichkeit zu verkünden.

Damit war das Projekt 1881 mit der Vision geboren, jede der 81 Provinzen in einem 18-monatigen Zeitraum zu erreichen. Gestartet im Juli 2011, half das Projekt auch das 50-jährige Jubiläum des Bibelkorrespondenzkurses (BBC) 2012 zu feiern.

Einheimische Mitarbeiter des BCCs erzählten Eileen ein Erlebnis. „Vier von ihnen reisten in eine Provinz im Südosten“, erinnert sie sich. „Es waren zwei Türken, ein Armenier und ein Kurde – ein Ausdruck des Evangeliums selbst! Während sie Literatur verteilten und mit Menschen redeten, trafen sie den Vorsteher der örtlichen Moschee, welcher sehr begeistert über das war, was er hörte, und das Team in sein Haus einlud. Sie verbrachten Stunden mit ihm, als er um 21 Uhr plötzlich aufsprang und sagte: ‚Oh nein, ich habe meine Koranklasse vergessen! Wollt ihr nicht zur Moschee kommen und ihnen die Dinge erzählen, welche ihr mir erzählt habt?‘ Sie gingen mit ihm und erzählten neun neugierigen Muslimen bis nach ein Uhr morgens aus der Bibel.“

Vorbereiten, aber aufpassen

Eileen, die Teamleiterin von TACO, einem kreativen Kunstteam, begeisterte ihre Mitarbeiter auch für das Projekt. Ein Teammitglied erstellte die Webseite, www.the1881project.org, um den Fortschritt zu verfolgen. TACO erstellte vor Kurzem eine Aufführung mit türkischer Musik, Theater und Volkstanz, welche die Geschichte von Abraham und Sarah erzählt. Sie endet mit dem mutigen Ausruf, dass Jesus das vollkommene Opfer sei. Mit Unterstützung des Projekts 1881 führten sie die Show in der Region Marmara auf und besuchten jede Provinz in der Region.

„Es war das erste Mal, dass wir das gemacht hatten, was wir ‚Holy Spirit Tour’ nannten“ sagt Alan, ein Mitarbeiter von TACO. „Wir verbrachten jeden Morgen im Gebet und Lobpreis. Nachmittags und abends hörten wir nicht auf, das Stück überall aufzuführen, wo wir fühlten, dass der Heilige Geist es uns sagte.“

Auf dem Weg nach Canakkale prallte der Teambus gegen eine Landungsbrücke. Alan fühlte, dass Gott wollte, dass sie anhalten sollten und in der Nähe des Meers ihre Show aufführen sollten. Das Team zweifelte, da es so schien, dass dort keine Seele in Sicht sei. Alan war aber felsenfest überzeugt. Deshalb baute das Team die Bühne auf, alle zogen ihre Kostüme an und nahmen ihre Instrumente, obwohl dort nur eine Frau auf einer Parkbank saß. Das Team begann mit ein paar türkischen Popsongs, was eine Menge von etwa 25 Menschen anzog. Nachdem sie gespielt hatten, begann das Team mit der Menge zu reden, bot Literatur, Neue Testamente und eine kurze Umfrage für die an, die mehr Informationen wollten.

Zwei Mädchen aus dem Team bemerkten die Frau, die auf der Parkbank weinte, deshalb gingen sie zu ihr. Sie waren fassungslos von ihrer Geschichte: Sie saß hier – mit Gewichten an ihren Fußknöcheln – bereit, sich vom Pier zu werfen und Selbstmord zu begehen. Sie dachte: „Keiner interessiert sich für mich, selbst Gott nicht.“ Stelle dir das vor: In diesem Moment stiegen Menschen vor ihr aus einem Kleinbus und führen ein Stück auf, bei dem das dazugehörige Lied die Frage stellt: „Denkst du, niemand interessiert sich für dich, und Gott interessiert sich auch nicht für dich, wie er es bei Abraham getan hat?“ Die Frau betete dann, um Jesus in ihr Leben aufzunehmen.

Die Landkarte auf der Website war anfangs noch grau. Sobald eine Geschichte eintraf, würde Eileen sie veröffentlichen und die Provinz rot färben. Hunderte von Menschen schlossen sich der Vision in Fürbitte an und erhielten alle 18 Tage Gebetsanliegen. Einige nahmen sogar direkt an einem Gebetsabend teil, der alle 81 Tage in Istanbul stattfand.

Im Dezember 2012 wurde die Karte auf der Webseite komplett rot, als die letzte Provinz erreicht war. Dennoch waren viele, die teilgenommen hatten, nicht bereit, das Projekt zu beenden. Eine Gemeinde aus Südafrika sandte Vertreter zu Eileen, um ihr die Nachricht mitzuteilen, dass es immer wieder passieren müsste. Deshalb startete das Projekt 2014 zum zweiten Mal. 2016 färbten sich die Provinzen in einem speziellen Jahr des Gebetes golden, um Gott zu fragen, wie er das Projekt 1881 in Zukunft benutzen möchte. Wir denken, dass im Jahr 2018 etwas Besonderes passieren könnte.

Aylin Mardin arbeitet seit über 30 Jahren mit OM in der Türkei. Sie war in drei Städten an der Gemeindegründung und landesweit an der Entwicklung von türkischen Anbetungsliedern beteiligt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat Aylin mitgearbeitet, den Bibelkorrespondenzkurs zu entwickeln, der schlussendlich zu anderen Diensten geführt hat, wie das ‚Projekt 1881‘ oder ‚Taco‘, mit dem das Evangelium auf kreative Art Muslimen verkündet wird.

Alle Artikel zu 60 Jahre OM

Weitere Artikel aus der Region

R27383

Gemeindegründung in Tunceli

Ein kreatives Kurzeinsatz-Team hilft Langzeitmitarbeitern, in Kontakt mit mehreren jungen Männern in einem am wenigsten erreichten Gebiet zu kommen.

weiterlesen
Briefumschlag eines Schreibens des Bibelkorrespondenzkurs

Türken finden zu Jesus – die Geschichte des Bibelkorrespondenzkurses

Als 1961 die ersten beiden OM-Mitarbeiter in der Türkei ankamen, wusste man von keinen Gläubigen mit muslimischem Hintergrund. Heute führt fast die Hälfte der 7000 Gläubigen des Landes ihre Reise zu Jesus auf den Bibelkorrespondenzkurs zurück.

weiterlesen