„Im Alter von acht Jahren entschied ich mich, dass es dies war, was ich in meinem Leben machen wollte – den Menschen von Jesus zu erzählen.“

Michelle Pitney wuchs in den 1980er-Jahren mit einer älteren Schwester in Portland, USA, auf. „Wir waren eine sehr typische christliche Familie“, erinnert sie sich. „Meine Eltern unterstützten Missionare, die in Deutschland arbeiteten. Diese waren einmal zum Abendessen bei uns und sagten etwas wie: ‚Diese Menschen kennen Jesus nicht‘. Diese Wahrheit beschäftigte mich so sehr, dass ich mich dafür entschied, diesen Menschen von Jesus zu erzählen.“

In ihrer Teenagerzeit verlor Michelle Pitney allerdings ihren Glauben. „Ich lief aus Wut vor Gott weg“, berichtet sie. „Ich durchlebte ein Trauma und führte ein Leben fast wie eine Frau in Prostitution. Ich war nicht darin, aber kurz davor.“ Dann brachte Gott jemanden in ihr Leben, der „mich an meinen Wert erinnerte, den Gott in mir sah, trotz meines Weges. Nach einigen wütenden Gesprächen mit Gott entschloss ich mich, auf sein sanftes Flüstern zu hören. Ich hatte verstanden, dass er nur mein Herz will und sich um den Rest kümmern würde.“

In dieser Zeit lernte Michelle auch den gleichaltrigen Troy kennen und lieben. Mittlerweile sind sie verheiratet und können sich ein Leben ohne einander nicht vorstellen. „Wir mochten uns vom ersten Moment an“, freut sich Troy, der mit drei Geschwistern „eine ziemlich normale Kindheit“ hatte.

Ein zweijähriges Theologiestudium beendete Michelle absichtlich nicht mit einem Abschluss, da sie sich „nicht durch ein Stück Papier von anderen unterscheiden wollte. Denn den Herrn zu kennen und von ihm weiterzuerzählen, dies ist einfach und kann jeder!“, ist die vierfache Mutter überzeugt. Auch Troy hat eine theologische Ausbildung. Ein gemeinsamer Freund motivierte sie 2011, mit OM nach Deutschland zu gehen, von wo aus er eine Arbeit im Mittelmeerraum mit startete. Aber das Ehepaar, das Surfen als große Leidenschaft hat, hatte es immer auf dem Herzen, einmal in ein Land am Mittelmeer zu ziehen. Sie wollten nahe bei den Menschen sein, denen sie von Jesus erzählen möchten.

Im Oktober 2014 zog die mittlerweile sechsköpfige Familie Pitney nach Portugal. Dort waren sie schon zu verschiedenen Surfeinsätzen und entdeckten das Potenzial, das in dem Sport liegt. „Wir treffen die junge Generation dort, wo sie ist – beim Surfen. So können wir beim Surfen oder danach mit ihnen ins Gespräch kommen“, sagen sie. „Wir sind dadurch als gleichberechtigte Partner akzeptiert und können über alle möglichen Themen sprechen.“

Schon bald erkannten sie, dass eine Gemeinde für die Surfer wichtig war, um ihnen eine Heimat zu bieten. So gründeten sie die Surf Church. „Die Surfer fühlen sich dort von Anfang an angenommen, egal wo sie in ihrem Leben stehen, egal ob Atheisten oder Drogenabhängige“, berichtet Michelle weiter. „Wir begleiten die Menschen auf ihrem Weg und sind dabei wie jede andere Gemeinde – wir haben Predigten, Gemeinschaft, Gebet und Lobpreis.“

Gott hat Michelle momentan aufs Herz gelegt, Frauen in Prostitution zu erreichen. „Auch dies hat Gott mir durch das Surfen gezeigt. Ich war an einem Ort surfen, an dem sich auch diese Frauen oft treffen. Als ich Mittagessen wollte, sagte Gott zu mir, dass ich eine der Frauen dazu einladen sollte“, erzählt Michelle. „Seitdem bin ich jede Woche einmal dort und spreche mit den Frauen. Dabei sage ich ihnen, was Jesus mir für sie aufs Herz gelegt hat oder bin einfach für sie da. Dadurch, dass ich mich mit ihnen identifiziere, hatte ich schon viele gute Gespräche und konnte Gottes Segen an sie weitergeben. Eine hat, Gott sei Dank, bereits aufgehört, als Prostituierte zu arbeiten!“

„Toll ist, dass wir durch unsere Arbeit auch die jüngere Generation erreichen“, freuen sich die beiden. „Die junge Generation ist unsere Zukunft. Auch wenn das ein Klischee ist, ist es dennoch wahr. In all unseren Fehlern und Erfolgen spiegeln wir Gott wider, was die junge Generation sehen kann und dadurch von Jesus geprägt wird.

Fotos aus Portugal