Mohammed (Mo) überlegte nicht lange, als sein Freund und Mentor Tobias ihm von der 1000 Kilometer langen Sponsoren-Radtour „CoronaRide" erzählte. „Sicher, ich bin dabei", sagte Mo, ungeachtet der Tatsache, dass er erst einige Monate zuvor mit dem Rennradfahren begonnen hatte. Obwohl diese Art von Herausforderung oft erfahrenen Radfahrern vorbehalten ist, wollte Mo unbedingt teilnehmen und – durch die Radtour und die dadurch gesammelten Spenden – Menschen helfen, die vom Corona-Virus betroffen sind.

Zum Zeitpunkt der Radtour kannte Mo, ein in Deutschland lebender OM-Freund, niemanden persönlich, der an dem Virus erkrankt war. Seine Schwester in Syrien hatte jedoch gesehen, wie das Virus Familien verwüstet hat. „In Syrien ist es nicht wie in Deutschland, wo jeder krankenversichert ist. Wenn man in Deutschland nicht arbeitet, gibt es eine Behörde, die finanzielle Hilfe leistet", erklärt er. In seinem Heimatland hingegen „würde man kein Geld bekommen, wenn man nicht arbeitet, und wenn man arbeitet, dann könnte man sich mit dem Corona-Virus anstecken. Es ist eine schwierige Situation. Die Menschen gehen lieber zur Arbeit und riskieren es, krank zu werden, als dass ihre Kinder kommen und ihnen sagen, dass sie hungrig sind."

Wunderbare Heilung

Nachdem er dem CoronaRide zugestimmt hatte, begann Mo mit Tobias zu trainieren. Zuerst eine Fahrt über 200 Kilometer, dann 300 Kilometer – beide verliefen gut. „Meine Knie taten während der 300 Kilometer-Fahrt ein wenig weh, aber ich dachte, nach zwei Wochen Ruhe wären alles wieder in Ordnung", erzählt Mo.

Als der CoronaRide am 12. Juni 2020 startete, verlief der erste Tag gut. Mo und Tobias verbrachten 17 Stunden und 22 Minuten auf ihren Fahrrädern (mit Pausen über 20 Stunden). Sie schliefen etwa drei Stunden lang und fuhren am 13. Juni um 3 Uhr wieder los. Gegen 8 Uhr fingen Mos Knie an, zu schmerzen und er musste anhalten und sich im Begleitfahrzeug ausruhen.

„Dann stellte der Physiotherapeut fest, dass ich das Weiterfahren vergessen könne", erzählt Mo. Hinter den Kulissen beteten aber weit über 100 Menschen virtuell zusammen. Als die Nachricht von Mos Verletzung in der WhatsApp-Gebets-Gruppe durchsickerte, begannen die Beter, für Mo zu beten. Nach zwei Stunden stieg Mo wieder auf sein Fahrrad und absolvierte sowohl diesen als auch den nächsten Tag ohne Schmerzen. „Dankt den Herrn!", sagt er. „Es war einfach ein Wunder, dass ich bis zur Ziellinie weiterfahren konnte.“

Neben der Heilung von Mos Knie schrieb Tobias dem Gebet auch den Schutz der anderen Fahrer zu – einige hatten mit Verletzungen zu kämpfen und Unfälle wurde verhindert – und dass durch die Gebete der Geist der Einheit im Team bewahrt wurde. „Jeder war motiviert und wir ermutigten uns gegenseitig: ‚Wir schaffen es gemeinsam!‘", fügt Mo hinzu. „Das war wirklich cool und ich glaube nicht, dass es von uns allein kam.“

Schwerpunkt auf Mission

Der Gemeinschaftsgeist, den er während des CoronaRides erlebte, ist Mo besonders aufgefallen.  Er betont, dass er seit seinem Umzug nach Deutschland vor viereinhalb Jahren damit gekämpft hat, bedeutende Freundschaften zu schließen. „Mission ist für mich das Wichtigste", stellt Mo fest. „Leider bin ich allein."

Zuerst half ihm seine physische Lage nicht. Als Mo Ende 2015 inmitten des Flüchtlingsstroms nach Europa kam, wurde Mo in ein bayerisches Dorf „am Ende der Welt" umgesiedelt, wie Tobias es beschreibt. „Wenn wir einkaufen wollten, dauerte die Fahrt mit dem Auto 20 Minuten", sagt Mo – eine Ewigkeit im Vergleich zu den meisten europäischen Städten, in denen das meiste zu Fuß zu erreichen ist.

Anfang 2017 organisierten Tobias und andere OM-Mitarbeiter mehrere Freizeiten für Christen mit muslimischem Hintergrund, die erst kurz zuvor in Deutschland angekommen waren. Ein anderes Ehepaar, das mehr als zwei Jahrzehnte im Nahen Osten gearbeitet hatte, kannte Mos Familie aus ihrer Zeit in Syrien und sie luden ihn und seinen Vater zu der ersten Freizeit ein. „Am Ende der Freizeit tauften wir sie gemeinsam. So lernten wir uns kennen", erklärt Tobias.

Mo kam dann mit zur zweiten Freizeit, um bei der Kinderbetreuung zu helfen. Bald darauf half einer der Mitarbeiter, die die Freizeiten organisierten, Mo und seinem Vater beim Umzug nach Mosbach, wo sich auch die deutsche OM-Zentrale befindet. Dort traf Mo den Sohn von Tobias. Die beiden verstanden sich gut, verbrachten Zeit miteinander und trainierten zusammen. Als Mo anfing, sich für Rennräder zu interessieren, fing er an, mit Tobias, einem OM-Leiter und begeisterten Radfahrer, zu fahren.

An seinem Arbeitsplatz empfand Mo es als Herausforderung, Gottes Liebe zu leben. Seine Kollegen machen sich regelmäßig wegen seines Glaubens über ihn lustig. „Ich versuche immer, an dem festzuhalten, was in der Bibel steht, und diese Dinge zu tun", erklärt er, wobei er auch die schwierigen Situationen durchsteht, denen er täglich bei der Arbeit begegnet.

Mo konnte die Gute Nachricht jedoch einem ehemaligen Kollegen aus Kasachstan weitergeben. „Er war zuerst mein Freund und dann arbeiteten wir zusammen in derselben Firma", erklärte Mo. „Wir sprachen immer über den Glauben." Die Frau des Mannes war ebenfalls gläubig, aber er war weiter nicht vom Christentum überzeugt.  „Wenn er Fragen hatte, stellte er sie immer, und ich konnte das, was ich wusste, beantworteten. Und wenn ich die Antwort nicht wusste, gingen wir zusammen zu einem Pastor und stellten ihm Fragen", beschreibt es Mo

Eines Tages sagte sein Kollege: „Mo, gestern habe ich gebetet." „Du betest doch immer“, antwortete Mo. „Gestern habe ich anders gebetet“, meinte sein Kollege. „Ich habe mein Herz Jesus gegeben!" Diese Erklärung machte Mo überglücklich. „Das war einer der besten Tage meines Lebens", erinnert er sich. „Dieses Gefühl vergisst man nicht. Ich würde es gerne erneut erleben."

Zum Leben bestimmt

Als junger Mann in Syrien beobachtete Mo, wie sein Vater zum Glauben an Jesus kam, gefolgt von seiner Mutter und seinen Geschwistern. Mo war zwar Teil der Hauskirche seiner Familie, entschied sich aber nie persönlich für ein Leben mit Jesus. Eines Morgens ging Mo zu seiner Arbeit. Er und sein Chef erledigten draußen einige Aufgaben. „Plötzlich gab es 300 Meter von uns entfernt eine Explosion. Unsere ganze Fabrik brach zusammen ... 72 Menschen starben", erinnert sich Mo. „Wäre ich in der Fabrik gewesen, wäre ich auch gestorben." Aus Dankbarkeit für sein Leben gab Mo sein Leben Jesus.

Mit neuer Leidenschaft nahm er freitagabends in einer Kleingruppe teil, wo er die Bibel studierte und Passagen auswendig lernte. „Wir mussten die Verse nicht auswendig lernen, aber wir durften es tun, und in letzter Zeit habe ich gemerkt, dass das sehr wichtig ist, wenn man einen Vers auswendig lernt und seinen Bezug kennt", sagt er. „Das war eine coole Erfahrung, Gott näher zu kommen und ihn besser kennenzulernen."

In Deutschland hat eine Jugendgruppe Mo geholfen, in seiner Beziehung zu Gott zu wachsen. Aber Mo fiel auf, dass andere in der Gruppe es nicht wagen, auf die Straße zu gehen, um mit den Menschen über Jesus zu sprechen. „Manche sagen: ‚Ich habe diese Gabe nicht', aber ich bin fest davon überzeugt, dass man, egal welche Gabe man hat, dadurch Gottes Liebe weitergeben kann, ganz gleich, was passiert", erklärt Mo.

Weitere werden folgen

Zwei Tage nachdem Mo die 1000 Kilometer zurückgelegt hatte, sprang er wieder auf sein Fahrrad. Laut Tobias sind die CoronaRide-Radfahrer immer noch in Kontakt, und machen sich Gedanken über die nächste mögliche Herausforderung und Spendenaktion. „Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder eine machen können", sagt Mo.

Neben dem Radfahren möchte Mo dort hingehen, wo Menschen noch nie etwas von Jesus gehört haben, „aber wegen meines Passes und Aufenthaltsstatus ist das noch nicht möglich", erklärt er. „Mein größtes Ziel ist es, Menschen zu helfen, nicht nur für Menschen Rad zu fahren, sondern auch zu ihnen zu gehen."

Während des 1000 km langen Coronarides, einer Tour quer durch Deutschland, um Spenden für die vom Coronavirus Betroffenen zu sammeln, waren die Radfahrer täglich 20 Stunden unterwegs. Foto von Antonia Leanne (verwendet mit Genehmigung der Kontakt Mission)

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