Liebe inmitten des Krieges

Autor: Ellyn Schellenberg

„Wir hatten nicht geplant, einen Dienst wie diesen zu machen“, erklärt Ezra. „Wir sahen nur die Bedürfnisse um uns herum und begannen, anderen in ihrer Not zu helfen.“

Blick auf den Berg Ararat von der armenischen Hauptstadt ausInmitten der Konflikte zwischen Armenien und Aserbaidschan haben die OM-Mitarbeiter Ezra und Maryam eine neue Möglichkeit entdeckt, ihren Mitmenschen Jesu Liebe zu zeigen.

Ezra und Maryam wurden beide in christlichen armenischen Familien in Zentralasien geboren. „Ich bin in der Sonntagsschule aufgewachsen, aber ich sah eigentlich nicht die Notwendigkeit für Jesus. In der Kirche ging es mehr um Tradition", erklärt Maryam. Als Maryam dann ein Teenager war, wurde bei ihrer Mutter Krebs diagnostiziert, und die Ärzte sagten, es gäbe nur eine 50-prozentige Chance auf Heilung. „Ich hatte das Gefühl, am Ende zu sein – und ich brauchte einen Retter. Ich begann zu beten und Jesus zu bitten, uns zu helfen", erinnert sich Maryam. Während der vierten Runde der Chemotherapie ihrer Mutter, freut sich Maryam noch heute, „berichteten die Ärzte dann, dass die Tumore so klein geworden waren, dass sie es ein Wunder nannten."

Als Ezra ein Teenager war, wurde sein Vater sehr krank. „Es war eine sehr schwierige Zeit für mich. Die Ärzte sagten uns, dass es keine Hoffnung für meinen Vater gäbe, zu leben. Und ich kämpfte mit Depressionen", erinnert er sich. Ein Cousin erklärte ihm, dass Jesus seinen Vater heilen könne. „Also schrie ich zu Jesus", sagt Ezra. „Ich habe gebetet: ,Wenn es Dich wirklich gibt, dann ist es jetzt an der Zeit, dass Du kommst und eingreifst.' Und nach diesem Gebet, nach sechs Monaten Depression, konnte ich diese neue Art von Frieden in meinem Herzen spüren."

Blick auf eine armenische KleinstadtDie beiden erlebten als Teenager auf wundersame Weise Jesus – was ihre Beziehung zu Gott veränderte. Von da an gründete ihre Gottesbeziehung nicht mehr in Traditionen, sondern beide haben eine lebendige Beziehung zu Gott und streben nach seinen Plänen für ihr Leben. „Meine Beziehung zu Jesus begann auf Gegenseitigkeit zu beruhen: Nicht nur ein Monolog, sondern ein Dialog mit ihm“, freut sich Ezra. „Ich spürte, dass mir jemand zuhörte und mir Antworten in mein Herz gab, wenn ich mit Gott sprach.“

Nach seinem Theologiestudium arbeitete Ezra erst in Teilzeit in einer Gemeinde und lernte Maryam kennen, die er schließlich heiratete. Später war er auch vollzeitlicher Hauptpastor in der Gemeinde, bis diese 2010 von der Regierung geschlossen wurde. Zwei Jahre lang hoffte das Ehepaar, dass ihre Gemeinde wieder eröffnet werden könnte, aber schließlich waren auch sie gezwungen, das Land zu verlassen. Sie zogen nach Armenien, wo sie Verwandte hatten. Dort beteiligten sie sich ab 2012 an der Arbeit von OM. Sie übersetzten verschiedene Ressourcen in die Sprache einer Volksgruppe, die noch keinen Zugang zum Evangelium hatte.

Dann begann der jüngste Krieg um die Region Bergkarabach, in dem mehr als fünfzig Prozent der dortigen Bewohner flüchteten. Die Vertriebenen suchten in ganz Armenien Schutz, in Kirchen, Hotels und Privathäusern – und viele ließen alles zurück, was sie besaßen. „Als der Konflikt wieder entflammte, beteten wir zunächst nur für die Situation“, berichtet Ezra. „Doch dann dachten wir an Matthäus 25,35. Dort sagt Jesus: ‚Als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben; als ich durstig war, habt ihr mir Wasser gegeben; und als ich Kleidung brauchte, habt ihr sie mir gegeben.‘ Und dieser Vers ermutigte uns zum Handeln. Am ersten Tag gingen wir im Glauben los.  Wir hatten noch keine Hilfsgüter, die wir verteilen konnten, aber wir sahen die Bedürfnisse. Also spendeten wir selbst, gaben unsere eigenen Sachen oder nahmen einen Kredit auf, um die Dinge zu kaufen, die die Menschen brauchten.“

OM-Mitarbeiter in Armenien verteilen HilfsgüterAls dann die Hilfe von OM kam, konnten sie Lebensmittel, Hygieneartikel und Kleidung für anfänglich 500 Hilfesuchende verteilen. In der nächsten Hilfsphase setzten Ezra und Maryam, die mit fünf Gemeinden vor Ort zusammenarbeiten, zwei Schwerpunkte: Die Unterstützung für junge Mütter mit Babys und Winterkleidung für Kinder.  Gerade für schwangere Frauen, die ohne ihre Ehemänner auf der Flucht waren, ist diese Unterstützung eine große Hilfe und Ermutigung.

„Ich predige immer noch leidenschaftlich gerne“, berichtet Ezra. „Jetzt durfte ich sehen, dass die praktische Umsetzung des Evangeliums noch viel mehr Kraft hat, als nur darüber zu reden. Gemeinsam mit meiner Frau bin ich Jesus dankbar, dass er uns gezeigt hat, wie wir inmitten von Konflikten Nächstenliebe leben können.“

Beten: Danken Sie, dass Gott auch inmitten von Kriegen und Konflikten da ist und großzügig die Menschen liebt. Beten Sie um Frieden und Versöhnung in der Region und dafür, dass Gott die langjährigen Wunden heilt.

Spendenprojekt: www.om.org/de/G426-05

Maryam berichtet über die Situation in Armenien (auf Englisch)

During the conflict in the Nagorno-Karabakh region between Armenia and Azerbaijan, OM has distributed crucial items to displaced expecting mothers and young children. Thousands have fled the conflict with nothing, and are in need of help during this time.