Rufbereitschaft für Zeiten wie diese

Autor: Inger R.

Es war Freitagabend, und Nicolas* und Sandra* bereiteten sich darauf vor, am nächsten Tag in den Urlaub zu fahren. Das Schweizer Ehepaar hatte noch nicht gepackt, aber sie hatten genug Lebensmittel für einen Monat eingekauft, sodass sie bei ihrer Rückkehr nicht mehr daran denken mussten. „Wir haben immer einen Monatsvorrat an Lebensmitteln im Haus", erklärt Nicolas. „Wir sind Teil des Katastropheneinsatzteams von OM, also praktizieren wir auch das, was wir lehren." Ihre Vorkehrungen für den Notfall erwiesen sich angesichts des bevorstehenden Lockdowns in Belgien aufgrund des Coronavirus als genau rechtzeitig.

Noch am selben Abend erhielten Nicolas und Sandra eine Nachricht des Belgischen Roten Kreuzes, in der alle Freiwilligen aufgefordert wurden, der wachsenden Nachfrage nach Betreuung und Unterstützung nachzukommen. Schon seit sieben Jahren arbeitet das Ehepaar freiwillig als Sanitäter beim Roten Kreuz. Als sie die dringende Bitte sahen, gaben Nicolas und Sandra ihre Urlaubspläne sofort auf. Obwohl sie es damals nicht wussten, hinderte sie ihre Entscheidung zu bleiben daran, in das am stärksten von der Pandemie betroffene Gebiet Belgiens zu gehen.

„Wir wären dort in Quarantäne gekommen", erzählt Sandra. „Wenn ich zurückblicke, hat sich alles zusammengefügt – es ist kein Zufall, dass wir dort geblieben sind, wo wir als Sanitäter arbeiten können.“ Von OM in Belgien wurde das Ehepaar von seiner Verantwortung für die Teamverwaltung und die Instandhaltung des nun geschlossenen Gästehauses befreit. So konnten Nicolas und Sandra ihr bisheriges Engagement von einem Tag pro Woche beim Roten Kreuz auf fünf Tage pro Woche erhöhen.

„Diese Krise ist anders als andere, bei denen wir schon geholfen haben", sagt Sandra. „Sie findet vor unserer Haustür statt und wir wissen nicht, wann sie enden wird.“ Normalerweise reisen die beiden für eine vorher festgelegte Anzahl von Wochen in Krisengebiete auf der ganzen Welt – so wie sie es 2019 als Reaktion auf die Naturkatastrophe auf den Bahamas getan haben. „Wir sind eher an physische Krisen gewöhnt", führt Nicolas fort. „Dieses Mal können wir es nicht sehen, aber wenn wir unsere 'Mondanzüge' (Schutzkleidung) anziehen, wissen wir, dass es real ist.“

Warum geht ihr das Risiko ein?

„Warum riskiert ihr das?", fragten Nachbarn. „Wenn wir es nicht tun, wer sonst soll es tun?", antwortet Sandra mit Gefühl und Energie. „Wir glauben, dass wir das tun sollen, weil Gott will, dass wir den Menschen helfen." Ihre Nachbarn haben Interesse an Sandras und Nicolas Glauben an Gott und die Gespräche wenden sich so viel schneller als früher dem Glauben zu. „Momentan sind die Menschen ängstlich, frustriert und viel offener, über den Glauben zu sprechen", sagt Sandra. „Wir haben schon sehr gute Gespräche geführt."

„Es ist, als wäre man ein Feuerwehrmann, der in einem brennenden Gebäude steht", beschreibt es Nicolas. „Es fühlt sich richtig an." Mit Schutzkleidung bekleidet, transportierten Nicolas und Sandra Covid-19-Patienten mit dem Krankenwagen des Roten Kreuzes zum oder vom Krankenhaus. „Ich fühle mich in unserem Krankenwagen tatsächlich sicherer als beim Einkaufen", bemerkt Nicolas. „Hier weiß ich, was angefasst wurde und kann es reinigen."

Als Jesus-Nachfolger sollen sie jetzt nicht unverantwortlich sein oder unnötige Risiken eingehen, räumt Nicolas ein. Letztlich sind sie sich jedoch sicher, weil sie das Versprechen der Ewigkeit mit Jesus haben. „Ich brauche mich nicht zu fürchten. Ich weiß, wohin ich gehe, und das gibt mir einen Frieden, den ich weitergeben kann", betont er. „Mein Glaube gibt mir die Kraft, das zu tun.“

Was macht ihr anders?

„Ärzte und andere Rettungssanitäter sagen uns: ‚Ihr seid anders!'", sagt Nicolas, überrascht von den Kommentaren anderer medizinischer Mitarbeiter.

„Wir wissen nicht, wieso wir anders sind", fügt Sandra hinzu. Sie ist aber überzeugt, dass kleine Details einen großen Einfluss auf die Verbreitung des Evangeliums haben, wie beispielsweise die Hand eines Patienten zu halten, auch wenn sie durch einen Handschuh geht, Menschen mit Würde zu behandeln oder eine respektvolle Frage zu stellen. Und doch scheinen diese Gesten allein als Unterscheidungsmerkmal nicht ausreichend zu sein. „Die einzige Erklärung, die wir geben können, ist, dass sich die Liebe Jesu irgendwie durch uns zeigt", erklärt sie.

Die Rot-Kreuz-Kollegen von Nicolas und Sandra befassten sich auch mit der Frage, ob der Glaube in Zeiten wie diesen hilft. Ein Kollege hatte einen besonders schwierigen Tag, als er Zimmer in einem Altersheim ausräumte und die Gegenstände verbrannte – eine Erfahrung, die ihn sehr mitnahm. Am nächsten Tag, als er mit Nicolas unter vier Augen sprechen konnte, wandte er sich an Nicolas. „Du bist derjenige mit den wahren Antworten", sagte er und lud Nicolas ein, über seinen Glauben an Jesus zu sprechen.

„Wir sind diejenigen, die die Antworten haben", stimmt Nicolas zu und erkannte die von Gott gegebene einzigartige Gelegenheit, seine Wahrheit und Hoffnung in einer solchen Zeit weiterzugeben. Das ist auch der Grund, warum die beiden Sanitäter wurden – um unter den Menschen zu sein und das Evangelium weiterzugeben.

„Ehrt vielmehr Christus, den Herrn, indem ihr ihm von ganzem Herzen vertraut. Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt. Aber tut es freundlich und mit dem gebotenen Respekt, ´immer darauf bedacht‘, ein gutes Gewissen zu haben.“ 1. Petrus 3,15-16a (NGÜ)

*Name geändert

Belgien: OM couple serve as paramedics during the corona crisis.

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