«Welche Rolle spielt der Hauptmann bei der Kreuzigung?», fragt mich meine Gesprächspartnerin. Sie lernt Deutsch, deshalb habe ich ihr während meines Einsatzes im Quartiercafé eine Bibel in deutscher Sprache angeboten. Geprägt von ihrem katholischen Hintergrund sucht sie nach der Wahrheit und ist überzeugt, dass die Bibel dabei wichtig ist. Während einer Stunde kann ich auf ihre Fragen antworten und ihr auch die zentralen Elemente des Glaubens anhand des Neuen Testamentes erklären. Ich bin begeistert, wenn ich Menschen bei ihrer Suche nach Wahrheit oder Lösungen aktiv begleiten kann, sei es nun in sozialen oder geistlichen Fragen.

Hemmungen überwunden

Als Leiter von «Hoffnung für Zürich» wünsche ich mir, dass überall im Quartier und weit darüber hinaus Hoffnung zum Nächsten getragen wird. Ich selber war im jungen Erwachsenenalter eher gehemmt, fremden Menschen von meinen Erlebnissen mit Gott zu erzählen. Dass ich dies nun sogar gerne mache, verdanke ich unter anderem den Impulsen einiger Menschen, und Zeiten des Lernens. In der Jüngerschaftsschule «Hoffnung für Zürich» begleite ich jetzt selber junge Menschen auf ihrem Weg des Entdeckens, wie sie Hoffnung zum Nächsten tragen können.

Herausgefordert & gewachsen

Eine Teilnehmerin schrieb im Rückblick auf ihren Jahreseinsatz: «Das Zusammenleben und Arbeiten mit Menschen aus anderen Kulturen, Lebensstilen oder Lebenssituationen forderte mich heraus, brachte mich aber persönlich weiter. Meine Beziehung zu Gott hat sich sehr vertieft und auch verändert. Meine Identität in Gott wurde gefestigt. Ich lernte viele Leute kennen und konnte Beziehungen aufbauen. Anfangs stresste mich die Frage: ‹Wie kann ich den Menschen die Gute Nachricht weitergeben?› Doch irgendwann merkte ich, dass es eigentlich um ‹Leben teilen› und meine persönlichen Erlebnisse mit Gott geht. Ich wurde viel gelassener und meine Beziehungen gewannen an Tiefe und Ehrlichkeit. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich diesen Einsatz machen konnte. Er hat meinen Horizont enorm erweitert.» Als Leiter erhalten wir auch Rückmeldungen wie diese: «Deine Fragen haben mich halb wahnsinnig gemacht, doch es sind mir Dinge bewusst geworden, über die ich vorher nie nachgedacht hatte.» Oder: «Du hast mich angespornt, weiterzudenken und mich mit Gott, Meinungen und Theologien auseinanderzusetzen – ich bin geistlich gewachsen.»

Praktisch angewendet

Umso mehr freut es mich zu erleben, wenn die Teilnehmenden beginnen, das Erlernte gemäss ihren Begabungen selbständig umzusetzen. «Im Deutschunterricht, den ich Ausländerinnen gebe, lasen wir aus einer christlichen Frauenzeitschrift eine Reportage über eine Grossfamilie. Darin wurde berichtet, wie sie als Familie Gott erleben und welche christlichen Werte den Kindern mitgegeben werden. Dadurch entstanden bereichernde Gespräche über Gott und den Glauben.» Ein anderes Erlebnis wurde wie folgt beschrieben: «Wir sahen Christelles* Not und fragten, ob wir sie besuchen dürften. Als wir bei ihr eintrafen, erwartete sie uns strahlend mit einem liebevoll gedeckten Tisch und einem selbst gebackenen Kuchen. Sie konnte es kaum fassen, dass wir uns Zeit für sie nahmen. Bald schüttete sie uns ihr Herz aus und bestand darauf, dass wir zusammen beteten.»

*Name geändert