Der beste Ort …

Autor: Nicole James

Jim* und Lena* lernten sich während ihres Dienstes im Nahen Osten kennen – es war der Beginn ihrer Beziehung und gleichzeitig ihre erste Erfahrung Gottes Liebe an Muslimen weiterzugeben.

Jahre später begaben sie sich als Familie auf ein neues Abenteuer auf der Arabischen Halbinsel.  Nachdem Jim drei Jahre lang Bewerbungen und Lebensläufe verschickt hatte, ohne eine Antwort zu erhalten, und dann ein Jobangebot erhielt, „war es klar, dass Gott uns sagte, dass er diesen Job für uns vorbereitet hatte", erklärt Jim.

Das Land an der Golfküste, in das sie zogen, war schon immer ein schwieriger Ort, um das Evangelium zu verkünden. Andere ausländische Jesus-Nachfolger, die dort leben, hatten Jim und Lena gesagt, dass sie „jedes Jahrzehnt eine Frucht" erwarten sollten. Dies bezog sich auf die Anzahl der einheimischen Araber, die die Erlösung durch Christus für sich annahmen. Daher setzte sich das Ehepaar für ihr erstes Jahr auf der Arabischen Halbinsel einfache und niedrige Ziele und konzentrierte sich auf das Lernen der Kultur und das Verständnis der sozialen Lebensweise. „Wir wollten ankommen und lernen", sagt Lena.

Zu den normalen Umzugsschwierigkeiten kam die Corona-Pandemie und die Abstandsregeln hinzu. Mit den bestehenden Beschränkungen „trifft man nicht einfach auf Menschen", erklärt Lena. Trotz der Schwierigkeiten „konnten wir uns aber auf die Menschen einlassen, ihnen zur Seite stehen, mit ihnen Jesus-Nachfolge leben und das Evangelium in einer Weise weitergeben, wie wir es uns nie hätten vorstellen können", sagt Jim.

„Wenn dieses intensive sich-Einlassen auf die Menschen ein Ziel gewesen wäre, hätte es uns Angst gemacht. Ich habe gebetet, dass Gott es tun würde, nicht ich, und dieses Gebet hat den Druck genommen!"

Als Ausländer auf der Arabischen Halbinsel

Wie in vielen Ländern auf der Arabischen Halbinsel, gibt es auch in Jims und Lenas derzeitiger Heimat einen erstaunlich hohen Anteil an Einwanderern, die in verschiedenen Berufen arbeiten. „Auch wenn die einheimische Bevölkerung kulturell eindeutig dominiert, sind die Einwanderer in ihrem eigenen Land eine kleine Minderheit. Als Ausländer gerät man hier leicht in eine ‚Expat-Blase‘ mit anderen Menschen, die so, wie in ihrer Heimat leben wollen, und hier in unserem Land nur Geld verdienen", sagt Jim.

Um dieser Versuchung zu widerstehen, „ist es wichtig, dass wir unseren eigenen Rhythmus beibehalten und uns bewusst machen, warum wir hier sind", fügt Lena hinzu.

Vor allem das Gebet ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Zeit auf der Arabischen Halbinsel „Das Gebet ist nicht nur etwas, das wir tun, wenn wir etwas brauchen, sondern das Gebet ist die Arbeit", sagt Jim. „Es ist die Art und Weise, wie wir die Verbindung zu Gott aufrechterhalten und wie wir in der Lage sind, uns bewusst zu sein, dass Gott etwas um uns herum macht. Wie wir durch das Gebet die Kraft und den Mut haben, etwas zu sagen, wenn es an der Zeit ist."

Bei mehreren Gelegenheiten wurde Jim zu einem Majlis eingeladen, einer Versammlung einheimischer Männer im Haus eines Gastgebers. Bei einem dieser Treffen erzählte der Gastgeber von einer schwierigen Situation, in der er sich befand. „Ich fragte, ob ich für ihn beten könne, und erzählte ihm die alttestamentarische Geschichte von Josef und wie Gott ihm in schweren Zeiten die Treue gehalten hat. Er war sehr dankbar dafür", erinnert sich Jim.

Ursprünglich wollte Lena versuchen, über die Schule ihrer Kinder oder Kontakte in der Nachbarschaft Beziehungen zu einigen einheimischen Frauen aufzubauen, aber die strengen Corona-Beschränkungen machten diese ohnehin schon sehr schwierige Aufgabe fast unmöglich. Gerade als Lena anfing, sich entmutigen zu lassen, führte eine unerwartete Verbindung über Freunde zu einem plötzlichen Jobangebot für Lena. Dies war eine Gelegenheit, die ihr bereits mehr Kontakt mit der lokalen Kultur verschafft hat – und von der sie hofft, dass sie in Zukunft zu noch mehr führen wird.

Im letzten Jahr hat Gott Lena Geduld gelehrt und sich auf sein Timing zu verlassen, sagt sie. „Er fügt die Teile des Puzzles zusammen, und mein Teil ist es, treu zu sein .... Er hat mich an diesen Arbeitsplatz gebracht und es ist schön zu sehen, wie er Menschen zu mir bringt, zu denen wir eine natürlichere Beziehung haben.“

„Ich lerne, im Gleichschritt mit Jesus zu gehen, ohne zu viel nachzudenken und ohne mich zu überanstrengen, indem ich im Einklang mit seiner Bewegung bin."

Die Menschen, nicht der Ort

Lena wuchs als Katholikin auf, zweifelte aber an der Existenz Gottes. Als Lena als Austauschstudentin in Europa war, erzählte ihr eine Frau aus ihrem Heimatland das Evangelium. „Zum ersten Mal verstand ich, dass der Tod Jesu für mich war, nicht nur für die ganze Welt, sondern vor allem für mich", erinnert sie sich.

Jim sagt, dass sein Vater, der Pastor ist, und seine Familie ihm „Gottes Liebe zu den Menschen zeigte und wie ich anderen dienen kann.“ Dies beeinflusste auch seine Erziehung und seine eigene Entscheidung, Christus zu folgen.

Doch weder Jim noch Lena hatten vor, im Nahen Osten zu leben. Jim studierte während seines Studiums als Austauschstudent in Europa und arbeitete dort als Freiwilliger in einer Einsatzgruppe mit. Nach seinem Abschluss wurde er eingeladen, wieder Teil des Teams zu werden. Doch während seiner Vorbereitungen auf die Rückkehr spürte er, dass Gott etwas anderes für ihn auf Lager hatte. „Als ich mir die Optionen ansah, waren alle, die mich ansprachen, im Nahen Osten! Das passte weder zu meinem Hintergrund noch zu meiner Ausbildung oder zu sonst etwas", erinnert sich Jim.

Trotzdem hat er gehorcht. Bevor er in den Nahen Osten ging, nahm er an Perspectives teil, einem 15-wöchigen Kurs der Jesus-Nachfolgern hilft, Gottes Herz für die Welt zu verstehen und wie sie Menschen erreichen können, die Jesus nicht kennen. Durch die Redner und Geschichten, die Teil von Perspectives waren, sagt Jim, habe er gelernt, dass Gott zu Muslimen sprechen könne. „Es war eine Offenbarung, dass diese ‚geschlossenen Länder' den Heiligen Geist nicht fernhalten können", erklärt er. Er erkannte auch, dass nicht Menschen das Wort Gottes oder den Geist Gottes an einen Ort bringen, „sondern wir folgen dem Werk Gottes. Er tut, was er tut, und wir können ein Teil davon sein."

Als Lena auf einer Jugendkonferenz teilnahm, wurde sie von einem Bericht eines Teams von OM-Schiffe so stark  angesprochen, dass sie beschloss, selbst auf ein OM-Schiff ging. Ein Jahr nach dieser Konferenz nahm sie an einem einjährigen OM-Ausbildungsprogramm in Südamerika teil, zwei Jahre später war sie an Bord der Logos II.

Auf dem Schiff hörte Lena Gary Witherall, der sein Zeugnis erzählte: Seine erste Frau Bonnie wurde drei Monate zuvor in Libanon ermordet. In dem Land, in das das Ehepaar zog, um von Gottes Liebe weiterzugeben. „Während er sprach, dachte ich: ‚Gott, ich bin bereit'," erinnert sich Lena. „Ich wurde nicht an den Ort gerufen, sondern zu den Menschen. Es war ein großer Augenöffner für die Not unter den Muslimen."

Von da an, sagt Lena, spiegelte ihre Geschichte die biblische Berufung Abrahams wider. „Gott sagte: ‚Geh in das Land, in das ich dich rufen werde. Vertraue mir bis zum nächsten Schritt'", erzählt sie. So zog sie selbst in den Nahen Osten und half bei der Koordinierung von Konferenzen für andere Jesus-Nachfolger an verschiedenen Orten, bevor sie in dem Land landete, in dem sie fast fünf Jahre lang blieb, ihr Universitätsstudium abschloss – und Jim kennenlernte.

Nach ihrer Hochzeit kehrten die beiden für eine Weile in Jims Heimatland zurück, um dort zu arbeiten, „immer mit dem Wissen, dass wir als Familie in die Region zurückkehren würden."
„Der beste Ort ist dort, wo Gott dich haben will. Vertraue auf seine Bewegung, auch wenn es sich beängstigend anfühlt, auch wenn es länger dauert, als du denkst", betont Lena. „Sei für ihn verfügbar und vertraue darauf, dass er den Weg vorbereiten wird."
*Name geändert
 

Arabische Halbinsel: Power towers commonly seen across the deserts of the Arabian Peninsula.
Photo by Kathryn Berry

Arabische Halbinsel

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