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Since the start of war in Ukraine, churches across Europe have seen an increase in Ukrainians attending them. In one church in the Netherlands, OM workers have started a Ukrainian church to welcome those who have fled.

Gemeindegründung unter Ukrainern

Eine christliche Gemeindearbeit in den Niederlanden wandelte sich von einer Arbeit für Ukrainer zu einer Arbeit von Ukrainern.

Im März 2022 floh Lawrence mit seiner schwangeren Frau und seinen drei kleinen Kindern, kurz nachdem Putin den Einmarsch in die Ukraine befohlen hatte. Nachdem er acht Jahre lang als Missionar in Russland gearbeitet hatte, entschied Lawrence, dass es das Beste für seine Familie sei, sich in den Niederlanden niederzulassen, während der Krieg andauerte.

Gemeinsam mit anderen Missionaren, die beschlossen hatten, in den Niederlanden zu bleiben, sah Lawrence die Chance, hier unter geflüchteten Ukrainern zu arbeiten. Sie beschlossen, einen Dienst auf Russisch zu beginnen. So konnten ukrainische Geflüchtete zusammenkommen, um in einer ihnen vertrauten Sprache Hoffnung und Gemeinschaft zu finden.

Ein entscheidender Moment

Als die Jüngerschaftsgruppe anfing, sich zu treffen, meldeten sich einige niederländische Gemeindemitglieder freiwillig, um bei den Gottesdiensten zu helfen. Jeden Sonntag bereiteten sie das Mittagessen zu, halfen beim technischen Aufbau des Gottesdienstes und boten Kinderbetreuung an. Nach dem ersten Monat sank die Zahl der Gottesdienstbesucher von 180 auf 30 bis 40 Personen. Während des Sommers kamen nur noch etwa 10 bis 15 Personen regelmäßig zum Gottesdienst. Lawrence begann sich Sorgen zu machen, dass die anfängliche Anziehungskraft des Treffens nachließ, da die Menschen Arbeit und Freunde fanden und einige sogar in die Ukraine zurückkehrten.

„Ich dachte, wir hätten eine Chance verpasst und der Dienst würde sich auflösen. Ich war besorgt, dass einige Freiwillige weniger motiviert sein würden, einer Gruppe von Menschen zu dienen, mit denen sie nicht die gleiche Sprache sprechen“, erinnert sich Lawrence.

Als die Bedenken im Koordinationsteam diskutiert wurden, äußerten mehrere ukrainische Frauen, dass sie es für wichtig hielten, die Arbeit fortzusetzen, auch wenn es nur wenige Teilnehmende seien. Sie meldeten sich freiwillig, um den Dienst zu koordinieren und mitzuhelfen.

„Für mich war das ein sehr entscheidender Moment. Mir wurde klar, dass es wichtig war, mehr Ukrainer in die Gottesdienste einzubeziehen“, erzählt Lawrence. Der Gottesdienst wurde nun nicht mehr für Ukrainer, sondern von Ukrainern gestaltet.

Die Frauengruppe versprach, ihre Freunde und Kollegen zu den Gottesdiensten einzuladen, und schon bald wuchs die Zahl der Teilnehmenden auf 30 bis 40 Personen an. Obwohl viele Menschen nicht regelmäßig kommen, freut sich die Gemeinde, dass jede Woche mehr und mehr Menschen kommen.

Ins Unbekannte

Eine der ukrainischen Frauen, die einen großen Einfluss auf die Erhaltung der Jüngerschaftsgruppe hatte, war eine junge Frau namens Anna.

Sirenen heulten, als Anna und ihre Eltern den Kleinwagen ihres Bruders aus ihrer Heimatstadt Donezk in der Ukraine fuhren. Nach dem Einmarsch russischer Soldaten auf Befehl Putins mussten sie sich in Sicherheit bringen. Annas Bruder und seine schwangere Frau konnten wegen ihrer Schwangerschaft nicht fliehen, aber sie hofften, nach der Geburt des Kindes zu ihrer Familie zurückkehren zu können.

Anna wusste nicht, was sie tun oder wohin sie gehen sollte. Die Ungewissheit war groß, als sie und ihre Familie sich am 2. März 2022 auf den Weg machten. „Die Straße war völlig überfüllt, und überall heulten Sirenen. Jede Nacht haben wir in einer Stadt angehalten und uns einen Platz zum Schlafen gesucht“, erzählt Anna.

Auf der Fahrt durch das Land erfuhr Anna von anderen Flüchtlingen, dass viele Ukrainer in die Niederlande fliehen. Obwohl sie befürchtete, dass sie es nicht schaffen würden, erzählte Anna ihren Eltern von dem Ziel. Auch sie entschieden sich dafür und machten sich auf die lange Reise in Richtung Sicherheit.

Eine Woche später kamen Anna und ihre Familie in den Niederlanden an. Als sie sich in ihrem neuen Zuhause einrichteten, beschlossen Anna und ihre Eltern, eine Kirchengemeinde vor Ort zu besuchen. Die Kirche, die sie besuchten, war niederländisch, und obwohl sie die Sprache weder verstanden noch sprachen, fühlte sich Anna willkommen, weil alle so freundlich waren. „Viele gute Menschen wollten helfen und fragten, was sie für uns tun könnten“, berichtet Anna.

Nach dem Gottesdienst lernte Anna Lawrence kennen. Er lud sie ein, wiederzukommen. Und dieselben niederländischen Gemeindemitglieder, die Anna Hilfe und Gastfreundschaft angeboten hatten, boten bald auch ihre Hilfe für die neue ukrainische Gemeinschaft an.

Ein sicherer Ort

Lawrence dient der kleinen ukrainischen Gemeinde weiterhin, indem er die Gottesdienste leitet, auf Russisch predigt und die Gemeinde seelsorgerisch betreut. „Ich hoffe, dass diese Gemeinschaft für die Geflüchteten ein sicherer Ort ist, an dem sie die Liebe Jesu Christi erfahren und das Evangelium in klaren Worten hören können“, erzählt er.

Viele Teilnehmer der ukrainischen Gemeinde haben einen orthodoxen Hintergrund oder waren noch nie in einer Kirche. „Sie wollen kommen, weil sie wissen, dass es hier gute Menschen gibt, und weil sie etwas Wahres gehört haben und sich ihre Meinung geändert hat“, erklärt Anna. „Die meisten orthodoxen Menschen wissen nicht, wer Gott ist und was er in der Bibel sagt und dass er wirklich in unserem Leben sein will. Jetzt können sie es mehr und mehr hören.“

Das Leben in den Niederlanden war für Anna und ihre Familie alles andere als einfach. Obwohl ihr Bruder, seine Frau und ihr Baby nachkamen, war es eine Herausforderung, sich an ein neues Leben in einem Land mit einer anderen Sprache und Kultur zu gewöhnen. Anna hatte viele Zweifel an ihrer Fähigkeit, in einem Land zu arbeiten und zu leben, dessen Sprache sie nicht beherrschte. Aber mit der Zeit geht es immer besser und sie lernt, auf Gott zu vertrauen.

Eine zusätzliche Herausforderung für Anna sind die Verantwortung und die Entscheidungen für ihre Familie, die auf ihren Schultern lasten. Diese Entscheidungen Gott zu überlassen und ihm dabei zu vertrauen, war ein wichtiger Teil ihrer geistlichen Reise in den letzten Monaten. Sie fasst es kurz zusammen, indem sie sagt: „Er gibt mir alles, was ich brauche.“

Jetzt, da Anna eine Gemeinschaft von Jesus-Nachfolgern um sich hat, glaubt sie, dass sie das Rüstzeug besitzt, um anderen Gläubigen ein Vorbild zu sein. „Wir alle stehen in der Verantwortung, wie Jesus zu sein“, meint Anna. „Die Leute sehen mich an und wissen, dass ich Christin bin.“

Anna ist nach wie vor ein wichtiger Teil ihrer neuen geistlichen Familie und unterrichtet derzeit die wenigen Kinder der Gemeinde in der Sonntagsschule. Sie erklärt, dass ihr der Dienst in der Kirche nicht in die Wiege gelegt wurde. Ihre Motivation kommt von der Hilfe, die sie von anderen erhalten hat, und von der Disziplin, die sie in ihrem eigenen Leben entwickeln musste.

„Jeder braucht Jesus. Es ist meine Entscheidung, das zu tun“, sagt sie. Die Gemeinschaft ist zwar zahlenmäßig klein, aber sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Dezember 2022 entschied sich eine ukrainische Frau für die Nachfolge Jesu und ließ sich taufen.

„Ich sehe, dass Gott in den Herzen der Menschen wirkt, denn sie kommen fast jeden Sonntag wieder“, freut sich Lawrence. „Von Anfang an hatte ich den Wunsch, dass die Gemeinschaft mehr und mehr von Ukrainern geleitet wird. Das schien unmöglich zu sein, aber nach und nach haben die ukrainischen Christen die Aufgaben der niederländischen Freiwilligen übernommen. Es ist wirklich Gottes Segen, dass er die richtigen Menschen schickt.“

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