Nach Hause gesandt, um die Ungeliebten zu lieben

Autor: Esther Hippel

Catea trifft eine ältere Frau vor ihrem Haus und bringt eine warme MahlzeitDie Augen der älteren Menschen im moldawischen Dorf Vorniceni leuchten, wenn sie das vertraute Klopfen an der Tür hören und Catea hereinkommt. Sie schätzen sie nicht nur, weil sie ihnen täglich eine warme Mahlzeit bringt und bereit ist, ihnen bei der Arbeit im Haus zu helfen. Sie schätzen auch ihre gesellige und fröhliche Art und die Worte der Hoffnung, die sie mit ihnen zuspricht.

„Ich genieße es, wie die älteren Menschen mich in ihren Häusern empfangen und wie sie jeden Tag auf mich warten“, freut sich Catea. Vor einigen Jahren hätte sich niemand – auch nicht Catea selbst – vorstellen können, dass sie auf diese Weise in Gottes Reich mitarbeiten würde. Catea (heute 30) war eine der vielen „Sozialwaisen" in Moldawien: Kinder, deren Familien nicht in der Lage oder nicht willens sind, für sie zu sorgen. Oft sind Armut oder Alkoholismus der Grund oder das Kind wird wegen einer Behinderung abgelehnt. Die meisten dieser Kinder werden schließlich kriminell, abhängig, Opfer von Menschenhandel oder begehen Selbstmord.

Catea wurde in eine von Armut, Alkoholismus und Drogenmissbrauch geprägte Familie hineingeboren und im Alter von neun Jahren in ein Waisenhaus geschickt, was wenig Hoffnung für sie zu bedeuten schien. Außerdem leidet sie an einer körperlichen Behinderung – ein Bein ist kürzer als das andere – was Catea zusätzlich der Verachtung und dem Spott aussetzte. Als sie volljährig wurde, verließ Catea das Waisenhaus und blieb in der Hauptstadt, wo sie alle möglichen Jobs annahm, nur um nicht zu ihrer Familie zurückkehren zu müssen. Bis sie Mitte zwanzig war, erfuhr Catea nie Liebe oder ein gesundes Familienleben, erhielt nie Bestätigung oder Wertschätzung und hatte keinerlei Selbstwertgefühl.

Ein auf den Kopf gestelltes Leben

Catea auf einer Straße ihres Heimatdorfs„Im Jahr 2018 hat sich alles verändert“, erinnert sich Catea. In diesem Jahr kehrte eine ihrer Freundinnen aus Italien zurück, wo sie zum Glauben gekommen war, und nahm Catea mit in die Kirche. Catea nahm Jesus in ihr Leben auf, nachdem sie das Evangelium verstanden hatte. Kurz darauf schickte die Gemeinde sie zum OM-Training „Challenge into Missions“: ein zehnwöchiger Kurs, der moldawischen Christen hilft, in ihrem Glauben zu wachsen und sie dazu befähigt, das Evangelium mit anderen zu teilen.

„Ich habe noch nie wirklich Freundschaften erlebt“, gestand Catea der Gruppe am Ende ihrer gemeinsamen Zeit. Durch diese enge Gemeinschaft und die geistliche Unterweisung wuchs Catea in Vertrauen und Freude. Zwar gab es auch Konflikte, aber das Gefühl, von den Mitgliedern des OM-Teams unterstützt zu werden, wenn sie Schwierigkeiten hatte, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei ihr.

„Wir sehen, dass dieser Kurs Catea geholfen hat, in ihrem Glauben reifer zu werden“, sagen die derzeitigen Leiter ihres Projekts, „und sie ist jetzt besser in der Lage, mit unterschiedlichen Meinungen vernünftig umzugehen.“ Praktische Einsätze in moldawischen Dörfern, die Teil der Ausbildung waren, lehrten Catea, wie sie Gottes Liebe anderen weitergeben kann. „Ich habe gelernt, wie man ein Gespräch mit Menschen beginnt und ihnen vom Evangelium erzählt“, beschreibt sie die wichtigste Fähigkeit, die sie entwickelt hat.

Obwohl dazu auch die Erfahrung gehörte, dass die Menschen ihre Botschaft ablehnten, ließ sich Catea nicht entmutigen: „Ich habe verstanden, dass es ein Samen ist, an den man sich erinnert und der viel später Früchte tragen kann“, erklärt sie. Am Ende des Kurses ging sie mit der festen Überzeugung nach Hause, dass Gott sie gebrauchen kann – genau so, wie sie ist – und wollte vom Evangelium weitererzählen. Der Dienst an älteren Menschen kam ihr zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht in den Sinn – und ihr Heimatdorf schon gar nicht.

Im Dienste ihres eigenen Dorfes

Catea schloss sich einer kleinen Gemeinde in Lozova an, wo sie Mitglieder des OM-Teams kennenlernte, die in Vorniceni, ihrem Heimatdorf, auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft eingingen und praktisch Gottes Liebe weitergaben. Im Jahr 2020 wollten sie ein Altenpflegeprojekt starten – eine Initiative, die OM in mehreren moldawischen Dörfern durchführt und für bedürftige ältere Menschen warme Mahlzeiten ausgibt – aber die Pläne wurden durch die Corona-Pandemie auf Eis gelegt.

Als Anfang 2021 ein neuer Anlauf vorbereitet wurde, fiel die Frau, die sich zuvor bereit erklärt hatte, das Essen zu verteilen, unerwartet aus. Zu diesem Zeitpunkt wurde Catea gefragt, ob sie sich vorstellen könne, dieses Projekt zu starten. Sie gibt zu, dass sie sich Sorgen machte, was die Leute in der Gemeinde denken würden, da sie Catea und ihren Hintergrund kannten. Doch als sie den Bedarf sah, sagte sie zu.

Catea mit einer der Frauen, die sie regelmäßig besucht„Wirst du wirklich jeden Tag kommen?“, fragten die Leute. „Heutzutage gibt niemand mehr etwas umsonst.“ Oder: „Werde ich weniger Rente bekommen, wenn ich deine Hilfe annehme?“ Fragen, wie diese wurden Catea zu Beginn gestellt, da viele ältere Menschen kaum glauben konnten, dass sie Hilfe ohne Kosten oder andere Verpflichtungen erhalten würden. Als sie sahen, dass Catea zuverlässig an den versprochenen fünf Tagen pro Woche kam, begannen sie, Catea zu bitten, auch Besorgungen für sie zu machen: einen Eimer Wasser aus dem Brunnen zu holen oder etwas aus dem Laden oder der Apotheke zu besorgen.

Für Catea ist es ermutigend zu sehen, dass sie gebraucht wird und nützlich ist, denn in ihrer Kindheit hörte sie ständig das Gegenteil. Die älteren Menschen sind dankbar für ihre Hilfe und ihre Gesellschaft. „Viele sind sehr einsam, haben Schlimmes erlebt und sind dankbar für ein offenes Ohr“, erzählt sie. Alle wurden schon einmal von Nachbarn oder Verwandten davor gewarnt, Catea zu empfangen, weil sie Vorurteile gegenüber ihrem Glauben an Jesus Christus haben. Die älteren Menschen weisen diese Warnungen jedoch zurück, da sie sehen, dass diese Menschen ihnen nicht helfen, aber durch ihren Glauben zeigt Catea ihnen Liebe zeigen. Mittlerweile kann sie sogar gegenüber ihrer eigenen Mutter Liebe zeigen, die Catea viel Kummer und Leid zugefügt hat und die nun durch sie ebenfalls eine Mahlzeit erhält.

Nicht alle der älteren Menschen sind offen für das Evangelium, aber einige Wissen es zu schätzen, wenn Catea von Jesus erzählt. Ihre Augen leuchten auf oder füllen sich mit Tränen der Dankbarkeit, wenn Catea aus der Bibel vorliest oder für sie betet. Einige der alten Menschen sind in den ersten Monaten des Projekts gestorben, was für Catea schwierig ist, aber umso mehr zeigt, wie wichtig ihre Arbeit ist.

„Was mich am meisten motiviert, ist, dass ich ihnen am Ende ihres Lebens von der Erlösung durch Jesus erzählen kann", sagt sie.

Catea berichtet über die Arbeit in Moldawien (Englisch)

Moldawien: Catea talking to one of the elderly she visits daily: Traumatized by her past, Catea never wanted to return, but God led her back to her home village, where today she brings a daily warm lunch to neglected elderly and shares God’s love with them.

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